Autoritärer Anti-Antisemitismus

Zunächst fiel die Fomulierung im Meinungsbeitrag über den Staatsräson-Crackdown gegen die palästinasolidarischen Proteste in der Zeitschrift Luxemburg eher en passant. Doch autoritärer Anti-Antisemitismus prägte die letzten Monate, ja schon Jahre. Die Rolle des Anti-Antisemitismus im Kontext autoritärer Formierung, beim Abbau von Grund- und Freiheitsrechten, bei der Erosion von Liberalität, im Prozess der Verrechtlichung und Versicherheitlichung des Nahostdiskurses, in der Herstellung eines unerklärten Ausnahmezustands, in der Transformation eines komplexen und in sich widersprüchlichen ethisch-politischen Problems in eine „Ordnungsproblem“ ist immer offensichtlicher, ebenso seine Überbrückungsleistungen zwischen eher liberalen und klar rechten Akteuren und nicht zuletzt seine spezifischen Auswirkungen auf die Wissenschaftsfreiheit.

Deswegen habe ich in den letzten Monaten nicht nur viel drüber geredet, sondern auch einiges aufgeschrieben, um den Begriff auszubuchstabieren und zu dimensionieren.

Hier die entsprechenden (publizierten udn angekündigten) Veröffentlichungen:

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Antisemitismus definieren

Wäre noch Blogzeitalter, würde ich hier von meinem/unserem (ein tolles Team macht mit!) spannenden laufenden Projekt zu Problemen der Begriffsbildung von ‚Antisemitismus‘ berichten. So belasse ich es bei der Ankündigung unseres Buches, das Ende Januar 2024 erscheint:

Was ist Antisemitismus? Begriffe und Definitionen von Judenfeindschaft; herausgegeben von Peter Ullrich, Sina Arnold, Anna Danilina, Klaus Holz, Uffa Jensen, Ingolf Seidel und Jan Weyand, Göttingen: Wallstein, 2023. Mehr beim Verlag.

KURZDARSTELLUNG: Grundbegriffe, zentrale Problemfelder und prominente Positionen der Antisemitismusforschung, werden knapp und einführend erläutert

»Was ist Antisemitismus?« bietet in knapper Form eine fundierte Darstellung der grundlegenden Begriffe, Probleme und eine Übersicht der Autor:innen, die für die wissenschaftliche und öffentliche Diskussion über das Verständnis von Antisemitismus im deutschsprachigen Raum von Bedeutung sind. Die Herausgeber:innen verfolgen dabei zwei Hauptanliegen: Erstens soll die komplexe wissenschaftliche Arbeit von verschiedenen Antisemitismus-Konzepten, wie dem israelbezogenen oder dem »postkolonialen« Antisemitismus, einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Zweitens soll das Wissen über die verschiedenen Auffassungen von Antisemitismus aus Perspektiven der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie sowie der Antisemitismusforschung systematisiert werden. Das Buch ist das Ergebnis eines intensiven Austauschs im Rahmen des Forschungsprojekts »Antisemitismus definieren«, in dessen Rahmen acht Personen mit verschiedenen wissenschaftlichen und biografischen Hintergründen die Grundlinien unterschiedlicher Antisemitismusbegriffe herausgearbeitet und die Schwierigkeiten bei der Definition diskutiert haben. Herausgekommen ist ein interdisziplinärer Band, der auch vor dem Hintergrund aktueller kontroverser Debatten eine zentrale Handreichung bietet.

Als kleines Vorab schonmal eine „Auskopplung“ daraus: Antisemitismus definieren? Eine Handreichung für die politische Bildungsarbeit. 2023. Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung. https://www.rosalux.de/publikation/id/50899/antisemitismus-definieren.

Mehr zum Projekt hier.

Stellungnahme des Projekts KviAPol zur Kampagne gegen kritische Polizeiforschung

Nach unserem Offenen Brief hat nun auch das polizeiintern diffamierte Bochumer Forschungsprojekt zu Körperverletzung im Amt durch Polizist*innen auf die Angriffe gegen unabhängige und kritische Forschung über Polizei reagiert:

Stellungnahme zur Tätigkeit der „Arbeitsgruppe Durchsetzung polizeilicher
Autorität im Rechtsstaat“ der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz

Stellungnahme des Arbeitskreises Empirische Polizeiforschung zur Kritik der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz (HdP RLP) am Forschungsprojekt KViAPol (Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamtinnen)

Der Arbeitskreis Empirische Polizeiforschung sowie die weiteren Unterzeichnerinnen dieser Resolution beziehen Stellung und äußern ihre Bedenken zu der aktuell formulierten Kritik der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz an dem Forschungsprojekt KViAPol der Ruhr-Universität Bochum. Die Kritik ist sowohl in Inhalt als auch Form fragwürdig und schadet der Debatte um eine professionelle Polizei(arbeit) in Deutschland.
Im elektronischen Brief an alle Bildungseinrichtungen der deutschen Polizei schreibt der Direktor der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz, dass als ein Ergebnis der KViAPol-Studie festgestellt wurde, dass die deutsche Polizei rassistisch sei und ein Gewaltproblem habe. Diese Aussage findet sich weder im Zwischenbericht 1 noch im Zwischenbericht 2 des Projektes. Wir verwahren uns gegen solche Falschbehauptungen, mit denen deutlich eine aversive Stimmung gegen die Untersuchung forciert wird.

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Antwort des Präs. d. Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz, Friedel Durben, auf den Offenen Brief „Gegen die Diskreditierung unabhängiger Polizeiforschung“

Wir geben im Folgenden die Antwort des Präsidenten der Hochschule der Polizei vom 21.02.2021, Friedel Durben, auf unseren Offenen Brief vom 17.02.2021 ungekürzt wieder.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

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Offener Brief: Gegen die Diskreditierung unabhängiger Polizeiforschung

Offener Brief: Gegen die Diskreditierung unabhängiger Forschung durch Vertreter*innen der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz

Die Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz (HdP RP) initiierte in einer jüngst bekannt gewordenen Mail eine Kampagne gegen eine wissenschaftliche Studie zu Körperverletzung im Amt (KViAPol), welche finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), an der Ruhr-Universität zu Bochum von Prof. Tobias Singelnstein, Laila Abdul-Rahman, Hannah Espín Grau und Luise Klaus durchgeführt wird und die bisher zwei Zwischenberichte veröffentlicht hat. Der Versuch einer polizeilichen Selbstimmunisierung gegen externe Forschung, sowie die gezielte Verächtlichmachung einer Studie, deren Ergebnisse der HdP RP nicht gefallen, sind ein Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft.

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Initiative gegen BDS-Beschluss: „GG 5.3. Weltoffenheit“

Ich war heute bei einer spannenden Pressekonferenz. Die Leiter*innen einiger der größten Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen wenden sich an die Öffentlichkeit, um den BDS-Beschluss des Bundestages zu kritisieren.
Aus unterschiedlichsten Perspektiven und selbst überwiegend in klarer und betonter Distanz zur BDS-Bewegung erleben sie alle, wie diese politische Regulierung des politisch Diskutierbaren (schließlich zielt der Beschluss und seine Praxis v.a. auf Verbote von Räumen und öffentlichen Geldern, wenn auch nur irgendeine lose Verbindung zu BDS besteht) die Arbeit von Kulturinstitutionen unterminiert und kontroverse Begegnungen und Debatten verhindert.

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Rede im brandenburgischen Wissenschaftsauschuss zum Zukunftsvertrag

Als Sachverständiger war ich heute (15.1.2020) für das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft im brandenburgischen Landtag im Auschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur und habe klar gemacht, warum angesichts der gegenwärtigen Kräftekonstellation in den Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern klare Entfristungsvorgaben gemacht werden müssen.

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Kontrollverluste – zum zehnten Geburtstag Buch zum Download

Leipziger Kamera (Hrsg.): Kontrollverluste. Interventionen gegen Überwachung, März 2009, Unrast Verlag, Münster, ISBN 978-3897714915, 256 S., mit Abbildungen, € 18.

Free Download

Das Buch Kontrollverluste versammelt Beiträge zu Fragen einer emanzipatorischen und praktischen Kritik an der aktuellen Überwachungsgesellschaft. Es führt sehr unterschiedliche Strategien und Perspektiven der linken Überwachungskritik zusammen. Kritische WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und Initiativen stellen theoretische, aber vor allem strategische und aktionsorientierte Überlegungen an, reflektieren ihre Handlungserfahrungen und beleuchten Probleme und Potenziale von Bewegung(en) gegen immer mehr Überwachung und Kontrolle.

Mit Beiträgen von W.D. Narr, Andreas Fisahn, Klaus Ronneberger, Peter Ullrich, Peer Stolle/Tobias Singelnstein, Andrej Holm, Anne Roth, LIGNA, Surveillance Camera Players u.v.m.

Ausführliche Informationen, Inhaltsverzeichnis und mehr hier.