Soda nur am Mittag

Und plötzlich spielt alles keine Rolle mehr. Von jetzt auf gleich. Vor zwei Stunden noch nervös tretend auf deinem Fahrrad, trotz des Regens, dorthin gefahren. Leichtes Magengrummeln, viel Unwissenheit und noch viel mehr Angst vor noch mehr Unwissenheit- aus Angst. Es ist ein Teufelskreis. Geschäftig einen Kaffee geholt, das Wasser aufgefüllt und sehnsüchtig aus dem Fenster auf die Berge geschaut.

Der kurze Moment Idylle. Der kurze Moment- was mache ich hier eigentlich. 

Die Notanker des Alltags fest, beinahe verkrampft festhaltend, die da sind: klärende Gespräche, oder schlichte Einigkeit der Übereinkunft, eine Wissenslücken zu haben. Die du nicht haben darfst. Wissenslücken sind nicht erlaubt. Gut bezahlt am falschen Ort. Die Arterien langsam zerfetzen lassen, dabei dachtest du doch „Druck- nicht mit mir“. Und jetzt ist er da. Der Druck. Mit dir. Zementschwer. Ein Hochaus des Wahnsinns.

Und kämpfst weiter. Machst und tust, fleissig, eifrig, in der Hoffnung unklare Anforderungen rasch zu erfüllen um jah nicht… ja was denn? Als ungeeignet da zu stehen? Ersetzt zu werden? Als inkompetent zu gelten?

Als wäre das hier der Brutkasten des Rattenrennens, blinzelst du zweimal, atmest mit Technik kürzer ein als aus und hoffst, dass das Zittern und das Herzrasen endlich ein Ende finden. Nur für heute bitte. Und sei es für 10 Minuten. 10 Minuten Angst-Pause.

Und wieder der Gedanke: was mache ich hier eigentlich. 

Bis dann, als wäre ein Schalter umgelegt worden, von jetzt auf gleich, die Worte ertönen „es reicht nicht“ und „sofortiger Wirkung“. In einem kleinen Konferenzraum. Wie oft hast du hier gesessen. Und nun, kein Lächeln. „Nimm es nicht persönlich- aber geh“. Packen. Gehen. Tür zu. Ende. 

Niemand läuft einen Marathon mit und wird derart abgefrühstückt. Doch hier schon. Ein kurzes Händeschütteln- und das wars. Over and out. 

Wir sind hier nicht um Spaß zu haben.

Auch wenn sie sagen „der Job soll dir Spaß machen“ ist das ein übertrieben platter Code für „halt dich ran, oder du bist raus“. Selbst wenn nie jemand klar definiert, was „ranhalten“ konkret bedeutet.

Dann eben raus. 

Noting else, just give a fuck

Sardellenfrühstück

Guten Morgen schlurfender Henri. Denkt sich Henri, und schält die muffige Decke von seinem schweren Körper. Die Füße sind sowieso schon klat. Seit gut zwölf Jahren möchte er sich eine längere Decke kaufen, eine die 220 cm lang ist. Diese zwei Meter Lösung ist doch eine Schikane. Doch die alte Decke ist noch gut und gute Sachen braucht man nicht.. ja was macht er denn dann mit der Decke? Niemand kann eine Decke einfach so in den Restmüll schmeißen, oder? Das wärmt doch, dieses riesen Ding aus Baumwolle in die Futter eingenäht ist. In diesem Falle, glaubt Henri, irgend etwas mit Federn. Also das Futter. Das umhüllt ihn, bis auf seine Füße, nun schon lang.


Wirklich glücklich macht ihn das nicht, doch was macht schon glücklich. Er soll ja nicht glücklich sein, wenn er schläft, sondern schlafend. Und wie gesagt: die Decke ist ja noch gut. Oder wie stellt man fest, das so eine Decke schlecht geworden ist? Sie stinkt ja nicht. Und die Farbe ist auch noch weitestgehend so, dass jeder erahnen kann, dass sie mal weiß gewesen sein muss.

Also runter mit der halbnützen Decke. Socken an. Hose. Pullover. In die Küche und Kaffee machen. Der Automat brummt. Die schwarze Brühe läuft langsam in die Tasse. Henri liebt diesen Duft. Sein Gehirn fühlt sich noch genau so kalt an wie seine Füße. Nun sind es kalte Füße in Socken. Toll. Denkt sich Henri. Und setzt sich an den leeren Küchentisch auf das gegenüberliegende Haus blickend hin, die Tasse in der Hand.
Hier ist er also, der neue Tag.
Geschlafen, aufgestanden. Und jetzt hier. Irgendwas mit produktiv sollte man nun machen, denkt sich Henri. Er ist nicht mehr der jüngste, der siebte Stock ist nicht mehr so genial wie er es noch vor 35 Jahren gewesen ist, die 1,5 Zimmer Wohnung inzwischen auch nicht mehr die Freiheit, die sie mal war. Sondern mehr: halt da. Irgendwie zu viel, also ausreichend, aber irgendwie wäre etwas mit Garten auch mal schön. Doch nun halt das große Fenster. Die kalten Füße. Der warme Kaffee.
Wann weiß man eigentlich, dass man angekommen ist, denkt sich Henri im halbwachen Zustand.
Und wann, dass es zu wenig ist, dieses Leben. Oder zu viel. Wobei zu viel und zu wenig auf der Gefühlsskala in etwa gleich scheiße sind. Ganz ehrlich.

Ein Garten wäre schön. Doch, das wäre er.
Und vielleicht doch eine Decke, die 220cm lang ist. Nur wohin mit der jetzigen Decke? Denn die ist doch eigentlich noch gut.

Zu lange da draussen

Danke für deine Meinung.
Und auch toll, dass jetzt alles anders ist. Ganz neu angezogen, geduscht und perfurmiert. Treudoof all jene, die jetzt wirklich daran glauben, mit ach dem neuen Duft, wie anders jetzt alles ist. Und wie gern, unfassbar gern ich das geglaubt hätte. Tausende Male. Um so inniger, je näher unser letztes „adieu“ zurücklag. Doch, auch nach all der Zeit erinnerst du mich nurmehr daran, weswegen ich meiner Intuition trauen kann.
Warum Hoffnung manchmal für die Katz ist und ein langweiliger, träger, aus Verdruss gewählter nicht-Ausweg, nur um sich innerlich nicht an das wesentliche zu machen: eine weitere Trennung.
So oft passen Dinge nicht. Die Altbauwohnung von vor zwanzig Jahren ist dir zu eng geworden. Der Kiz zu trubelig. Die Luft zu sehr geschwängert von Frittenfett und den Wünschen an eine bessere Zukunft. Und wie sehr hast du dich getäuscht. Wir alle haben das. Und machen es noch. In ihm, in ihr, unserer eingenen Zukunft von vor zwanzig Jahren, dann nochmal in der von vor zehn Jahren. In dem dritten Job, dem siebten Job, dem hohen Gehalt und der ach so geilen Karriere.
Drauf geschissen. Sei mutig. Trenn dich. Lerne es, wieder und wieder. Die meisten Sachen und Dinge werden nicht passen oder es ändert sich und passt nicht mehr.
Verzweifle ruhig. Jedoch nicht zu lange. Interessieren tuts eh keinen. Daher verzweifle kurz, so kurz wie eben nötig. Und dann such dir ein neues feines Plätzchen, für den nächsten Sonnenaufgang. Bei den Orten gibts weder gut noch schlecht. Sondern es ist wie es ist: einfach nur ein Ort. Mit aufgehender Sonne. Wenns dir da gefällt: dann bleib doch dort ein Weilchen.

Für und gegen jeden Widerstand

Dein Enthusiasmus sowie deine Disziplin, die du in Dinge investierst, sind bewundernswert. Besonders, wenn der Schwerpunkt dieser Dinge.. deine Arbeit sind. Nicht immer sauber rasiert, dabei jedoch abgetragene Klamotten namenhafter Hersteller samt teurer Wohnung in einem irgendwie tollen Bezirk irgendeiner Hauptstadt zu haben, das ist dir wichtig. Weder gut noch schlecht, weder falsch noch richtig. Jedoch genau das machst du. Unterteilen. Schwärzen und weißen im Denken. So und so. Dein rigoroses Denken und Herangehen an Aufgaben, deren Gewinn nicht in deine Tasche fließen, trägst du wie deine Klamotten nach außen.

Deine Gunst muss man sich erarbeiten, was mir zuweilen schleierhaft ist. Denn das ist untergraben unter Vorwürfen, Druck, unfreundlichkeit und beformundung. All diese Dinge machen Menschen, in meinen Augen jedoch, nicht zwingend sympathischer. Und weißt du denn nicht: bevormunden geht nur so lange, wie die anderen weniger wissen. Danach wirds schwieriger.

Effizienz und Leistung steht auf den Fahnen deines Rufes geschrieben, nur.. wer ließt denn heute noch? Zu ausgewählten Kreisen lächelst du, so lange es dir Vorteile verschafft, mit frisch rasiertem drei-Tage Bart. Launisch und mit einem falschen „easy“ aus deinem Mund wühlst du dich durch fünf Tage in der Woche, um die restlichen zwei, Dingens. Endlich mal Dingens.
Menschen können ein Rätsel sein. Digitale Dämonen und kleinlaut wenn nebeneinander. Sich selbst widersprechend und dennoch auf ihr Recht berufend. Das stiftet Verwirrung, und ich möchte meinen nicht nur im Geiste der Zuhöhrerschaft.

Wohin die Reise in diesen Köpfen gehen mag, wer weiß das schon. Gerne würde ich dort mal Mäuschen spielen und den Gedanken lauschen. Gerade jenen, bevor ein Feuerwerk an Regeln und Bestimmungen von so-ist-es an die Mitmenschen rausgefeuert wird.

Jeder Mitmensch ist jedoch auch ein Puzzleteil für das Gesamtbild. Das ist eben auch irgendwie wichtig. Denn ich spiele ja auch mit. Wenngleich mich das alles sehr aufwühlt, kann es mir zeitgleich auch sehr egal sein. Was es noch nicht ist.
Lieber würde ich in einem Treppenhaus sitzen und über das heute philosophieren, als Nachtisch dann irgendwas Asiatisches. Hin und wieder verläuft sich ein Nachbar an mir vorbei, wundert sich, was das soll, dieses Gesitze im Treppenhaus. Wer sitzt denn im Treppenhaus bitte? Das ist kein Ort zum Verweilen. Und auch hier: wer hat das festgelegt?

Ich mag ihn nicht.

Ich möchte ihn nach den beinahe drei Monaten (leidvoller) bekanntschaft auch nicht mehr mögen. Es gibt einfach diese Menschen. Schwierig, wenn sie in Gruppen auftreten.

Und dann warst du dabei

Warst mitten drin. Zentral. Jetzt ist es soweit. 5 stockwerke hoch, durch die mit Graffiti vollgesprühte Eingangstüre. Gegenüber auf der anderen Straßenseite ein heruntergekommener Waschsalon. Waschsalons muss irgend ein Zauber inne wohnen, aus Prinzip, nur welcher, war dir schleierhaft. 

Nun hoch, ab über die Stufen des eindeutig in die Jahre gekommenen Altbaus, mit knarzenden Holzstufen, sich windend, hinauf in den fünften. Der Einzug war gelinde gesagt äußerst anstrengend. Dein Bruder hatte dir dabei geholfen, du weiß bis heute wie wertvoll es war, da jemanden an seiner Seite zu haben. Ihr habt geschwitzt und geschimpft.

Der Boden der Wohnung war lange nicht mehr geschliffen worden. Die alten, schweren Holzdielen hielten für jeden nackten Fuß ein paar Spreiße bereit. Egal. Ab rein, zweites Zimmer auf der linken Seite. Da ist es. Ausblick auf die Danziger Straße, U-Bahnhof Eberswalder Straße.
Die Lautstärke war dir in diesem Moment sowas von egal. Hautsache DA. HIER. DABEI. MITTEN DRIN.

Du dachtest an etwas wie „den Puls fühlen“. Alle sprachen von „Freiheit“ und du dachtest irgendwie nur: wo? Wo ist denn das alles. Also Kartons ausgepackt und dich umgeschaut. Dein Bruder war lange verabschiedet, die Möbel aufgebaut und der Ausblick auf den Innenhof der Kulturbrauerei normal geworden, da standest du häufig einfach da.
Es hat eine Weile gedauert, viele Feiern, viele Museumsbesuche und lange Nächte bis du verstanden hast: es ist hier wie vielerorts. So einfach wirds nicht. Brillenschlangen die wie paralysiert in ihre Macs starren, Menschen die nichts interessiert, Arme, Reiche, Angeber… doch nichts hat dich aus dir selbst rausgeholt. Du warst immernoch du. Kein Knall, kein BÄNG, das ist es jetzt. Einzig dein eigenes Gefühl war anders. Du warst leise enttäuscht. Du hattest irgendwas vom bloßen Dort-Sein erwartet. Nur wusstest du selbst nicht genau was. Und vor allem, das war noch viel schlimmer, wo dieses Sein zu finden war. Die Menschen in deiner WG gingen sich aus dem Weg, nicht aufeinander zu. Filmschaffener, freie Wirtschatsberater- whatever.

Es hat lange gedauert bis du verstanden hast, das dich nichts suchen wird. Außer du bist es selbst. Und ich kann dir nur sagen: höre niemals auf damit. Wenn du dich ertappst, wie du allein in deinem Zimmer stehst und „danach“ Ausschau hälst. Dem großen, tollen Leben. Das hier ist es. Was auch immer du daraus machst. Sei nicht zu traurig darüber, wenns mal ruhig ist. Und hab nicht zu viel Angst, wenns nicht klappt. Viel häufiger klappen Dinge nicht, als das sie es tun. Und das ist okay so.
Deine Suche machst du selbst. Immer. Und immer wieder. Bleib offen, wenn es ums undefinierte „finden“ geht. Meist erkennst du es erst nach langer Zeit. Hab Geduld. Und so so wichtig: genieße die Reise.

Mitten im Zimmer. Mit Blick nach draußen. Und die Frage nach dem wohin.

Zu kurz für gestern

Du bist ein bisschen zu blöd, weshalb ständig Momente, Wetterlagen, Vogelgezwitscher oder wonnigliche Frühlingsmomente unweigerlich mit deinen Emotionen verbunden werden, als gäbe es nur diese eine, von dir wahrgenommene Realität. Ist auch okay soweit, denn der Genuss liegt ja bekanntlich gern im überschaubaren, kleinen. Nicht im überwältigenden, großen.. da gibt’s dann schon wieder zu viele unaufgelöste Wenns und Abers.

Du tauchst frohen Mutes ab in deine Gefühlssuppe, die heute so gar nicht versalzen scheint, wenngleich sie etwas trübe ist. „War schon schlimmer“ beruhigt dich eine von innen kommende meditative Stimme, während du am Ufer des Flusses in der milden Mittagssonne umherstapfst. Dein Blick wandert so weit er kann, trifft auf Berge, weite Felder, aber auch nahegelegene Häuser, denen du aber keine weitere Beachtung schenkst.

So gluckert dieser Tag frohen Mutes in dich und gleichzeitig an dir vorbei. Herrlich. Durchatmen, nichts planen, noch weniger denken, dir den Kopf nicht zerbrechen und dem Wasser beim fließen zuschauen. Jedoch nur mit Sonnenbrille, sonst fühlst du dich gleich wie blind.

Ja, es gibt solche Tage. Und dem Wahnsinn sehr nahe all jene, die diese friedvollen Seltenheiten nicht in sich aufsaugen wie ein all zu trockenes Schwammtuch. Sich keine Sorgen um Sorgen machen, nur zu fühlen, diese jungen Frühlingspferd-Gefühle und dasein.

Es wird schon nichts passieren. Wenn du dir diesen Tag nimmst. Und gönnst. Und dich gut fühlst.

Kalte Pasta

Es ist ok, wenn du nicht kannst. Wenn du keine Zeit hast. Das passt. Auch wenn es gestern anders geklungen hat und sich eine Partei darauf eingestellt hatte. So beginnen die dümmsten Streitereien, und die haben doch nur die Nachbarn. Und die sind doch sowieso komisch. Was sie automatisch uncooler als uns werden lässt.
Nein, das passiert hier nicht. Denn wir sind groß, erwachsen, verständnisvoll und dingens.

Kaum etwas in der Welt kann so erschrecken wie eine unaufgeräumte Seele. Ein undurchsichtiges Inneres. Da stampft man wohlbeherzt umher, dort eine Blume, hier ein Stapel schöner Klamotten, es scheint die Sonne, die Sicht zieht umher bis zum Horizont. Bäume, Wälder, Berge, hier ein Meer, lachende Gesichter, all das in der Seele. Und dann plötzlich -zack- tritt man mit dem kleinen Zeh irgendwo gegen während man durch das sanfte immergrüne Seelengraß läuft und knallt derart hart dran, dass der Zehnagel angerissen ist und ein bisschen blutet. Doch keine Sorge, nur weil du sofort stehen bleibst und runter schaust, gegen was du da gelaufen bist mit Schwung und aller Leichtigkeit, bedeutet das noch lange nicht, dass du den Quell deines akut herbeigeführten Schmerzes siehst. Nö. Es scheint absolut nichts, wirklich NICHTS, da zu sein. Bis auf den schmerzhaften Zeh.

Die unaufgeräumte Seele also. Aufpassen, wenn man darin herumstrolcht.

Das Blöde ist, dass DU die einzige Person bist, die sich darum kümmern kann und die bisher unsichtbaren Hindernisse entdecken musst. Nur wie soll das gehen zur Hölle? Wo ist die Anleitung dafür?
Denn sobald es schmerzt, schreist du und willst dich zur Wehr setzen. Es ist deine Seele, warum tuts dir dann weh bitteschön?

Es ist ein langer Weg zu lernen, die Hindernisse, die sich dein gesamtes Leben gefinkelt gelernt haben zu verstecken und über die du dann immer und immer wieder stolperst, ausfindig zu machen.

Wieso also zweifelst du an dir, wenn jemand keine Zeit hat da Selfacare, die schöne innere Sonnencreme, zum Einsatz kommt und du eben aussortiert wirst? Weil du das nicht machen würdest? Und wenn ja, wieso würdest du das denn nicht machen? Sagen, nein, trotz gestrigem OK heute nicht. Weil nein. Und müde, und, naja, sowieso und überhaupt.

Also wohin mit den Selbstzweifeln, der Fremdfokussierung und dem Grübeln. Nirgendwo hin. Beschließt du. Heute nicht. Nirgends. Einfach nichts davon annehmen und nichts davon abgeben. Zu müde die Beine heute vom immer wieder irgendwo gegenstoßen und nach Antworten suchen. Zu müde die Augen, zu erschöpft die Lunge vom Schnaufen der hetzenden Gedanken.

Und so gehst du weiter, dieses Mal mit Schuhen, auf dem ruhigen Weg entlang eines gepflasterten Weges. Schaust auf das Wasser im Fluss. Lässt das immer-redende Handy zurück. Und beschließt dich erst Morgen wieder um eventuelle Schwierigkeiten von heute zu kümmern. Jetzt jedoch nicht.

Nothing compares to…

Immer schwierig, wenn man alleine da sitzt. Oder sich alleine da fühlt. Es muss ja gar nicht sein, dass sonst keiner mehr da ist. Sondern einfach nur du mit einer, oder einem brillant nervigem Mix aus verschiedensten Emotionen, die jedoch nicht per se dafür sorgen, dass du dich ach so gut fühlst. Diese Emotionen, so hat es dein verdammtes Nervensystem gelernt, sollen dich beschützen. Das Problem an diesen dummen Dinger? Die benehmen sich wie lernunwillige zwölfjährige im ersten Vollsuff, die denken, auf einmal die Welt zu verstehen. Im Hormoncocktail und Donnersuff. Was für großartige Taten sich daraus ergeben, wissen wir alle. Und nein, davon spricht die Welt auf sicher absolut gar keinen Fall 100 Jahre später. Sondern gar nicht mehr. Rückwirkend ist es eine sehr dämliche Geschichte, die zum Glück jemandem anderen passiert ist, jedoch nicht einem selbst.

Und genau mit so einem nutzlosen Gefühlschaos, nur jetzt rein alterstechnisch erwachsen, fühlst du dich nun überflüssigerweise auch noch allein. Und die Gefühle sorgen schon dafür, dass das kein guter Tag wird, keine Sorge. Da bringt dir auch das beste Wissen nichts, dass jedes Gefühl „nur“ 90 Sekunden anhält. Denn wetten dein toll trainiertes Gehirn grübelt eifrig weiter, und strickt Handlungsabfolgen, so dass aus den 90 Sekunden eine 90-Sekunden Anakonda wird… reicht für einen vollen Tag antiamüsanter Gefühle.

Dann sind Sonnenuntergänge hauptsächlich Untergänge. Die Nacht einfach nur fucking Dunkel. Die leere Wohnung kein warmer, gemütlicher Rückzugsort, sondern eine Couch mit Blick auf eine Wand. Masel Tov.

Was soll der Scheiß?
Und dann ließt du Bücher über, genau, Gefühle. Was sollen die in meinem Bauch, meinem Hals, meinem Kopf, warum sind die doof und viel interessanter, als „warum sind die da“ ist die bohrende Frage „wie bekomm ich die da wieder raus“? Ein jeder Mensch, der entweder durch Geburt, einen fehler der Medizin oder einem gerade-noch-mal-davon-gekommen Unfall einen Teil seiner schlechten Gefühle verloren hat, dem gebührt dein gesamter Neid.

Denn ja, es gibt diese verdammten Zwischensituationen. In denen lässt der Wust an Gefühlsgewalt aus Angst, Trauer, Furcht, Scham mal kurz nach und du kannst im wahrsten Sinne des Wortes seelisch durchatmen. Puh. Was für ein purer Wahninn. Und das alles, wirklich ALLES nur in DEINEM verfluchten Schädel.

Triumphierend kommt für uns Menschen ja noch dazu, dass wir uns schlechtes BESSER merken als gutes. Wieso rafft unser Amphibienhirn eigentlich nach tausenden von Jahren nicht, dass es inzwischen WIRKLICH ok ist, sich die geilen, guten, tollen Sachen eher zu merken? So happy zu grübeln?

Aber ok.
Diese Zeilen werden geschrieben. Die Sache ist die: nichts ist faktisch passiert, dass diesen kack Ansturm der Gefühle, die eine verdammtes Loch in den Magen machen, erklären könnten. Nichts. Es ist einfach nur eine Angst. Eine Vorstellung. Ein was-wäre-wann Hirngespinst. Das fröhlich sein Unwesen treibt.

Musik hören, mit Freunden reden, Sport treiben, Serien gucken, Journaling.. was machen wir denn, wenn all der shit nicht funktioniert?
Glaub an dich selbst.
Und nochmal.

Glaub an dich selbst.
Du bist toll, wie du bist.
*hust
Nochmal.
Du bist toll wie du bist.

Du musst nichts leisten um gemocht zu werden…
Wäre schön, wenn diese Sätze zu Gefühlen würden und ab in den Bauch wandern, um es mit den anderen prompt aufzunehmen, oder?

Spoiler: ist ein längerer Weg und Arbeit. Und weglaufen geht nicht. Und ja, es wird besser. Und trotzdem muss ich ehrlich sagen: ich finds scheiße. Sich mies zu fühlen, ohne jetzt eine Depression zu haben oder so, einfach weil das Hirn so ein Murks produziert.
Was für eine vollkommen überflüssige Erfindung.

Die Stille ist lauter als du

In der Theorie klingt das so einfach, so simpel: stell sie nicht auf ein Podest. Deine Ex. Ist schnell geschrieben, ruck zuck gesagt, mit Handschlag und leichtem Lächeln abgesegnet, bitte, danke, der Nächste bitte. Die Datenautobahnen in deinem trägen Kopf, hinter der bereits leicht in Falten geworfenen Stirn, sind vierspurig auf Vermissung geprägt. Wie vollkommen bescheuert, weißte selbst.

Am meisten zwickt dich ein leises „warum“ gepaart mit einem zweiten, trägen „war ich nicht gut genug“ und einem langsam hinterher schleichenden „wo hätten wir anders abbiegen sollen“. Gepaart mit der leisen Ahnung, dass es weder eine Antwort auf diese Fragen geben wird, noch, dass dir das auch nur im Geringsten weiterhelfen würde. Wie denn auch…

Vergessen ist die universelle Strategie. Romantik, das verstehst du langsam, wenngleich auch widerwillig, ist zu sehr wenig nütze, wenn dein Herz älter wird und du bisher kein Applaus für die wildesten Partner geerntet hast. Jeder interessiert sich unterm Strich dann halt doch nur für sich. Und jede Attraktivität hält auch nur so lange, bis die Tür hinter euch zufällt, ihr überlegt, was es denn zum Abendbrot gibt, und wieso um alles in der Welt streiten wir schon wieder… ich habe den Übergang verpasst. Achso, ja, die Libido! Nee, entschuldige, die will dich, nur gerade bin ich nicht in Stimmung, möchte gern nur Nähe, davon aber gern viel um den Abend in Gemeinsamkeit, wenngleich ohne Koitus, ausklingen zu lassen. Exklusiv mit dir.

Dass das jedoch „nicht reicht“ und das Erreichen doch so wichtig ist, merkst du immer mehr und krasser, um so länger alles dauert.

Es muss mehr werden: mehr zusammen, mehr beisammen, mehr Einheit, weniger du, mehr wir. Du verstehst die Theorie, allerdings fehlt dir die Einsicht und das „wir“ bei dieser Rechnung, wenngleich sie erstmal so klingt, als wäre sie für zwei gestrickt. Hier scheint es mehr um das Erwartungserfüllen für das Friedensbewahren zu gehen, als um einen tatsächlichen Kompromiss. Böse Zungen würden behaupten, hier möchte jemand, dass sich der andere ändert damit „es“ besser passt.

Dass in diesen Rechnungspullover einer Beziehung jedoch nur eine Person gemütlich reinpasst, merkst du spätestens, wenn du deinen Mund aufmachst.

Der fühlt sich, obwohl fleissig zugehört wird, so ungehört wie noch nie, da offensichtlich nicht verstanden.

Was das jetzt mit Liebe zu tun hat verstehst du alles nicht. Wieso bedeutet mehr=Liebe? Du dachtest immer: gemeinsam gegen die Welt = Liebe. Aber nein. Hier ist die Rechnung, und Gleichung ist eine andere und geht offensichtlich…nicht auf?

Liebe.

Allein.

Es hätte … dingens. Und dann wird es leise. Und du schläfst nur noch ein, wenn der Fernsehr läuft, dann fühlst du dich nicht alleine.

Als hätte man dir etwas geklaut. Und jetzt schreien sie aus allen Ecken, das könntest du nur in dir selbst finden.

Diesen Weg, jaja, den musst du wohl alleine gehen. Ohne Garant auf Reward. Bleib taper!

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten