Unser geplantes (Zwischen-) Ziel für den Tag der Heimfahrt lag am Bodensee. Aber auf der Strecke von Bad Wurzach hinunter an den See lag Ravensburg. Das kannte ich noch nicht und wir beschlossen spontan auch dort einen Halt einzulegen. In der Nähe zur Altstadt gab es einen Stellplatz auf dem man für 12,60 Euro/24 Stunden stehen könnte. Wir wählten aber die Variante für 3 Stunden, da wir nach dem Stadtbesuch weiterfahren wollten. Es war noch früher Vormittag und der Platz fast leer.
Ravensburg ist eine ehemalige Reichsstadt (bis 1803) und wurde wegen ihrer vielen mittelalterlichen Türme früher das schwäbische Nürnberg genannt. Durch die Papierproduktion, die Ende des 14. Jahrhunderts entstand und ihre Blütezeit im 16. Jahrhundert hatte, war Ravensburg im Mittelalter der grösste Papierlieferant nördlich der Alpen und erst die zweite Stadt in Deutschland, neben Nürnberg, die Papier herstellte. Weltweit bekannt ist die Stadt für das Unternehmen „Ravensburger Spiele“
Nach 15 Minuten zu Fuss hatten wir die Altstadt erreicht. Zum Glück war Ravensburg im 2. Weltkrieg kaum von Luftangriffen betroffen, so blieb die historische Altstadt mit ihren insgesamt 17 Türmen und Toren vollständig erhalten.

Untertor, Sicht ausserhalb der Altstadt
Durch einen Torbogen betraten wir die Altstadt und hielten uns an die Strasse rechterhand. Wegen des schönen Wetters waren schon viele Menschen unterwegs, aber es wurde nie eng und Jana, die Hündin lief entspannt nebenher. Wie meistens entlockte sie vielen Passanten ein Lächeln und manch einer schaute ihr hinterher.


Wir kamen am Seelhaus vorbei. Das ist eine Herberge, die im Jahr 1408 für Pilger gestiftet wurde, die den Jakobsweg gewandert sind. Sie konnten dort kostenlos übernachten und mussten nur versprechen für die Familie des Stifters und die Bürger von Ravensburg zu beten. Im 2. Obergeschoss befindet sich heute noch das Gebetshaus.

Seelhaus, im Hintergrund der Blaserturm
Auch der Blaserturm am Marienplatz gibt einen Hinweis auf eine traurige Geschichte. Vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1915 gab es in Ravensburg einen Treffpunkt auf dem „Hütekindermarkt“ zur Vermittlung von Hütekindern, auch als Schwabenkinder bekannt. Sie kamen aus armen Bauernfamilien in Tirol, Liechtenstein und der Schweiz. Am Blaserturm hängt eine Gedenktafel darüber.

rechts Waaghaus, links Blaserturm
Jetzt lasse ich erstmal die Bilder des Stadtbummels für sich sprechen…

Rathaus


Altes Theater (Brotlaube) – Markthalle und früher Kaufhaus


Patrizierhaus aus dem 16. Jahrhundert

in der Mitte die Marienapotheke


Obertor

Wehrturm, auch Mehlsack genannt, das Wahrzeichen von Ravensburg


links Museum Ravensburger
Da wir auf der unteren Strasse, die fast parallel zur oberen verlief, zurück zum Ausgangspunkt wollten, passierten wir das sehr alte Fachwerkhaus und hielten uns danach links.


das alte Theater von der Gespinstmarktseite aus

Nun wurde es Zeit uns einen gemütlichen Platz zum Mittagessen zu suchen. Auswahl von Lokalen gab es genug, aber freie Plätze waren rar. Aber wir wurden nach einiger Zeit fündig und genossen es im Schatten zu sitzen und Hunger und Durst stillen zu können.
Danach wurde es Zeit langsam zum Fahrzeug zurückzukehren. Vorbei an einer wunderschönen idyllischen Ecke und dem Grünen Turm aus dem 15. Jahrhundert, der früher als Gefängnis genutzt wurde, verliessen wir die Altstadt durch das Frauentor.


Grüner Turm vom Marienplatz aus

Grüner Turm von ausserhalb der Altstadt
Für den Rückweg zum Parkplatz brauchten wir etwas länger. Das sehr warme Wetter hatte wohl meinen Orientierungssinn etwas getrübt, wir verliefen uns und brauchten fast eine Stunde. Mir tat nur Jana leid, aber sie hielt tapfer durch.