Meine Galgenvögel, meine Träume

Mein Traumtagebuch, so wie Träume, unkoordiniert, spontan und nicht einer inneren Logik folgend. Deshalb erscheinen die Schilderungen hier oft wenig stringent – aber: je stringenter sie erscheinen, desto mehr habe ich daran redigiert, damit eine „Geschichte“ daraus wird – weder das Chaotische noch das Logische sind erwünscht, sondern einfach Ergebnis dessen, was mir von den Träumen noch erinnerlich ist und wie ich das zu wordpress bringe – also bitte nicht zu viel erwarten – aber auch nicht weniger – Kommentare sind gerne gesehen, auch wenn sie ablehnend klingen sollten… Der therapeutische Nutzen für mich hat sich schon begonnen einzustellen, und dazu gehört zweifelsfrei auch das semiöffentliche, tendenziell exhibitionistische, wie es der Eine oder die Andere empfinden wird…

Und über allem wachen die Galgenvögel, wes Wunder, was dabei an Träumen herauskommt!

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Wiedergeburt

In der Nacht, nachdem meine Mutter am Abend in der Küche hingefallen war (12.07.2021), träumte mir, dass die gesamte Meurer-Verwandtschaft unser Haus stürmte; mein Vater lebte noch, mein Bruder war auch da, und wir feierten ein Fest, wohl einen Geburtstag meiner Mutter (so in ihren 60ern?). Es ging hoch her, uns ging der Platz aus, die Sitzgelegenheiten und wir mussten improvisieren, alle halfen nach Kräften.

Doch auf einmal verließen meine Mutter die Kräfte, sie fiel in sich zusammen und war nur noch so groß wie ein Baby. Dazu bekam sie aber auch ein Gesicht wie ein Baby, war aber noch immer sie selbst.

Ich hielt sie die ganze Zeit im Arm und trug sie hin und her, versuchte noch immer, den Andrang an Leuten aus der Verwandtschaft zu bewältigen, bevor alles im Chaos versank.

Meine Tante, ihre Schwester versuchte mir dabei zu helfen, dass ich sie neu wickeln musste, da die Windel voll war, aber es gab einfach zu wenig Platz. Meine Versuche, meinen Vater oder meinen Bruder einzuspannen, scheiterten ebenfalls, sie verzogen sich, weil sie mit ihrer Wiedergeburt (?) nichts zu tun haben wollten. Da stand ich wieder allein da mit ihr auf dem Arm. Plötzlich wandelte sich ihr Gesicht; aus dem Baby-Gesicht wurde ihr jetziges, 97er Gesicht, aber noch immer wie ein Säugling, angetan in ein traditionelles Taufkleid aus den 50ern…

Von wegen Erbsünde

Tohuwabohu – die Erde war wüst und leer, ein heilloses Chaos, völlig ohne Richtung und Ziel, keine Wüste, sondern wie verwüstet, also doch nicht leer. Und dann, durch die Schöpfung, kam später der Garten Eden zu Stande. Doch siehe, es gibt zwei Geschichten über die Schöpfung. Zum Einen gibt es die Geschichte, in der Adam, dem von Erde genommenen, eine Männin zur Seite gestellt bekommen soll, die ihm helfen soll, das Paradies zu bebauen und zu bewahren. (1. Mose 2,15). Doch zuvor schon wurde der Mensch gleich als ein Paar geschaffen, nach Seinem Bilde, das war vor der Geschichte vom Garten Eden, und dort steht auch das verflixte Wort vom Untertan-Machen der Erde (1. Mose 1, 27). Aber interessant ist hier, dass Mann UND Frau nach Seinem Bilde geschaffen wurden, also sind Mann UND Frau hierin gleich, oder anders herum: ER ist gleichermaßen männlich wie weiblich, ganz anders als in dem folgenden, ach so paradiesischen Schöpfungsbericht.

Aber jetzt haben wir ein Zeitphänomen: die Berichte, die wir lesen, die in den Heiligen Schriften des Mose im Ersten Buch, also in der Genesis geschrieben stehen, scheinen Zeitgenossenberichte zu sein. Nun liegt es auf der Hand, Gott hatte keinen Chronisten, der zeitgleich die Schöpfung beschrieb. Auch Adam und Eva hatten keine Zeitgenossen, sondern es waren andere Genossen. Genossen, die sehr, sehr, sehr viel später die Schöpfungsgeschichte, die Geschichte vom Garten Eden im Zweistromland (mit vier Flüssen) aufgeschrieben haben. Wobei dieses „später“ fiktiv ist – es gibt ja keinen zeitlichen Bezug, wir „wissen“ ja nicht, wann die Schöpfung passierte, die Schaffung des sogenannten Paradieses. Wir können nur mutmaßen, wann in etwa die Genesis aufgeschrieben wurde: vor ca. 2.500 Jahren. Was wir wissen: das Zweistromland und die umliegenden Regionen sind die Wiege vielfältiger religiöser Bewegungen, vielfältiger kultureller Auf- und Abstiege ganz vieler Kulturen und Gesellschaften. Und die Religion, die später Judentum genannt werden sollte, die Religion des Auserwählten Volkes, stammt auch von hier. Wobei die beiden miteinander verwobenen Schöpfungsberichte (1. Schöpfungsbericht = 1.Mose 1,1-2,4; 2. Schöpfungsbericht = 1.Mose 2,5-23) sich auch darin unterscheiden, in welcher Region sie entstanden sind: einer der beiden kommt aus einer eher trockenen Region, wo die Frucht des Feldes dem kargen Boden mühsam abgerungen werden musste und das Vieh ständig auf der Suche nach Wasser umherziehen musste. Dagegen entstand der zweite in einer Region üppiger Fruchtbarkeit, in der alles im Überfluss vorhanden war – oder nur auf Grund von Geschichten einer solchen Region!

Der von Erde gemachte Adam, der der Erde entnommene, schlägt all-so die Brücke zu einer anderen Kultur, die auf der Erdmutter Gaja basiert. Wir haben demnach eine altertümliche Kultur von Ackerbauern, die dem trockenen Land ihre Nahrung abringen müssen, die sich sehr quälen müssen, um dort leben zu können. Um dem allzu harten, fast unerträglichen Schicksal zu entrinnen, entwickelt sich der Traum von einem Leben in einer paradiesischen Umgebung, in der es keine Feindschaft zwischen den Tieren gibt, keine Verluste bei den Herden, keine Missernten, kein Unwetter, die Sorge um das täglich Brot ist nicht mehr.

Was mache ich nun als armer Bauer, der so ein karges Dasein fristet, aber ich werde die Geschichten von den paradiesischen Verhältnissen nicht mehr los? Auch die religiösen Führer sahen dieses Dilemma. Sahen diese sich sowieso in der Zwickmühle, den Zugewinn an Erkenntnissen in die Zusammenhänge der zyklischen Phasen der Natur, die man sich für die Bewässerung und dergleichen zu Nutze machen konnte, ihren Gläubigen erklären zu müssen. Auch die Frage nach einer Macht, die hinter den Verhältnissen stehen könnte, stand im Raum. Der Mensch war beeindruckt von dem Weltengefüge. Es wuchs die Vorstellung, dass all‘ das, was die Menschen in dieser Zeit umgab, einen Sinn, ein Ziel, eine Richtung habe, da das Chaos des Beginns überwunden war. Doch die Frage nach dem Woher, dem Wohin, dem Sinn blieb unbeantwortet im Raum stehen.

Und dann kamen diese alten Männer auf die Idee, diesen Zugang zum Zugewinn an Wissen, Erkenntnis und Einsicht zu sperren, damit die einfachen Gemüter im Geiste nicht auf die Idee kämen, die ihnen angebotene Sicht der Dinge in Frage zu stellen. Wenn denn die Natur des Menschen es mit sich bringt, dass er hinter die Dinge schauen will, wenn er wissen will, warum und wozu bestimmte Ereignisse sich einstellen – oder auch nicht, dann könnte er auf die Idee kommen, dass die Verwalter des Wissens und der Religion und des Zugangs zum Numinosen nicht so allwissend sind wie sie tun. Wissen ist Macht, und das besonders, wenn es um Wissen über Abläufe im Zyklus der Natur, von Niederschlag, Fruchtbarkeit, Wachstum und Ernte geht. Die Erdmutter, Gaja, ist weiblich, sie hat mit der Aufnahme von Samen, mit dem Wachsen und Gedeihen der Frucht zu tun. Das Weibliche ist Hüterin des Herdfeuers, zuständig auch für die Weitergabe des Wissens um die Wachstumszyklen. Doch ist es bei wachsender kultureller Entwicklung, auch bei der steigenden, planvollen Produktion von Nahrungsmitteln, beim Übergang von einer Viehzüchter- zu einer Ackerbauern-Kultur genau das, worauf es ankommt: der planvolle Umgang mit den Ressourcen, besonders dem Wasser, genau zur rechten Zeit sähen, um einen guten Ertrag erzielen zu können. Nun ist es leicht, sich unter diesen Vorzeichen vorzustellen, dass es neben den auf uns gekommenen patriarchalischen Herrschaftsformen auch matriarchalische gegeben hat – nein, es ist bekannt. Wenn es nun um die Deutungshoheit geht, nützen sachliche, rationale Argumente wenig, denn Menschen zu beherrschen, geht viel besser, indem man Emotionen, Ängste, das Numinose instrumentalisiert. Spekulieren wir also weiter: Es gibt diese Berichte über die Entstehung der Erde, über das Wachstum überhaupt, über die Schaffung des Menschen, vielerlei, aus vielen, verschiedenen Regionen, teils mit überraschenden Übereinstimmungen, aber auch mit deutlichen Unterschieden. Die Versuchung, solche Geschichten so zu formen, dass sie den eigenen Interessen dienen, und sie dann sogar mit der Zeit in eine Schriftform zu bringen und dadurch zu kanonisieren, ist natürlich gegeben, liegt quasi auf der Hand:

Adam und Eva, sein Weib, sind die Be-Sitzer und Verwalter dieses paradiesischen Gartens Eden. Alles geht natürlich zu. Aber da ist noch mehr. Sie wollen be-greifen, sie stellen die Sinn-Frage. Sie werden getrieben von dem allzu menschlichen Trieb immer weiterer Erkenntnis und Einsicht in die natürlichen, aber auch in die übernatürlichen Zusammenhänge. Sie versinnbildlichen die Bewohner des bekannten Erdkreises. Und als solche sollen sie bitteschön „die Kirche im Dorf lassen“, bildlich gesprochen: es muss ihnen beispielhaft klargemacht werden, dass ihr Wissensdrang dort Grenzen nicht überschreiten darf, wo die Frage nach Ursprung und Fortschritt des Menschengeschlechts gestellt wird. Denn die Sachwalter des Göttlichen, die gerade dabei sind, das allzu Irdische, Bodenständige, schon lange Gültige, vielleicht in der Hand von nicht genehmen Frauen Befindliche zu verteufeln, um ihre eigene Position zu stärken und den Schöpfergott als eine Domäne des Männlichen zu beschreiben, brauchen eine Verdammung, eine Eindämmung dieses Untergründigen, um so einen über-irdischen Höhenflug beginnen zu können.

Und dazu wird dann einfach der nur zu natürliche Griff zu dem verbotenen Wissen als Sünde hingestellt, die zur Gottesferne führt. Kein Wunder, dass die Initiative für diesen vermeintlichen Sünden-Fall von der Schlange ausgeht. Wenn dann die Schlange sich auch noch der Eva, der Frau, des weiblichen Parts der göttlichen Schöpfung bedient, so brauchen wir uns nicht zu wundern, dass diese im Fortlauf der Kirchengeschichte als unselige, als mit Sünde behaftete Versucherin des Adam gebrandmarkt wird – eine unsittliche Geschichte, die bis heute in Kirchen und Gesellschaft nachwirkt.

Und so können wir heute diese Geschichte vom Kopf auf die Füße stellen: wir lasen die Genesis immer, als ob es sich dabei um einen chronologischen Bericht, eine sinnvolle Abfolge von miteinander ursächlich verbundenen Geschichten handelte. Das ist falsch. Vielmehr sind es mehrere Versatzstücke, die mehr oder weniger geschickt miteinander verknüpft wurden mit vielschichtigen Aussageabsichten: dem hehren Ziel des Lobes des Allmächtigen, des Schöpfergottes, des Einen, der über allem steht, aber daneben auch der Absicherung der noch neuen, noch nicht gut in den Menschen verankerten Religion, und gleichzeitig der Verdammung der alten, der Mutter Erde allzu verhafteten weiblichen Religion, deren Sinnbild die Schlange ist, jenes Tier ohne Beine, das schon immer Erde fraß – nicht wirklich, aber die Metapher soll nur als Fluch umdeuten, was in den Augen bestimmter Kulturdeuter schon immer bedrohlich war. Diese Umdeutung kann uns auch als Schlüssel dienen für den Kniff, den wir in allen Heiligen Schriften mehr oder weniger antreffen können, und der sich fortsetzt bis in moderne Zeiten: das Jonglieren mit den Emotionen und Bedürfnissen der Gläubigen und das Erlangen und Bewahren der Deutungshoheit, um diese für eigene Interessen, Macht und Einfluss einzusetzen.

Halten wir fest: Das Bestreben, vom Baum der Erkenntnis zu essen, ist ein natürliches, elementares Bedürfnis des Menschen. Dies zu verbieten, schränkt eine existentielle Bedürftigkeit ein und das geht nur, indem man diese kriminalisiert. Und wenn man dann gleichzeitig eine gefährliche Konkurrenz – den noch immer festzustellenden Einfluss der Verehrung der Erdmutter Gaja und der sie personifizierenden Schlange – dämonisieren, ja gar verteufeln kann, warum da nicht zugreifen? Sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Aber wozu dann die sogenannte Vertreibung aus dem Paradies? Die gab es gar nicht; wir fallen immer wieder darauf herein, den Berichten der Heiligen Schriften eine chronologische, und damit eine in der Abfolge logischen Geschichte von Ursache und Wirkung nachzusagen. Das trifft nicht zu. Wir haben jetzt schon mehrfach gesehen, dass vor die Beschreibung eines Faktums eine überhöhte Herleitung eben dieses Faktums aus einer anderen Zeit, Dimension der Schöpfungs- und Gestaltungsgeschichte, geleitet von einer bestimmten Aussageabsicht, gestellt wurde. So auch hier: Adam und Eva waren Ackerbauern in einer wenig fruchtbaren, von Trockenheit und Dürre geprägten Landschaft, Wüst(e) und Leer(e). Das Gebären von Kindern war schmerzhaft, ja lebensgefährlich. Und Schlangen lebten im Dreck und hatten keine Beine. Und warum war das so? Es gab doch Berichte von Reisenden, dass woanders, bei den Flüssen im Osten, die Menschen ein viel besseres, leichteres Leben hatten. Warum war das bei Adam und Eva und dem Geschlecht, das sie in die Welt setzten, Ackerbauer und Viehzüchter, anders? Das musste einen schrecklichen Grund haben, die Begründer dieses Geschlecht mussten etwas furchtbares getan haben, eine nicht wieder gutzumachende Sünde, die sie selbst nebst allen Nachkommen bis auf uns vererbten, also beschloss man, diese Erbsünde zu nennen.

Und damit hatten sich die berühmten alten Männer ein Herrschaftsinstrument erschaffen, das die Zeiten des Ersten Testaments überdauerte, und das trotz der unmissverständlichen Einrede von Paulus, dass durch den Kreuzestod Jesu die Sünde des Adam überwunden sei, von Augustinus und dann wieder von Martin Luther aufgegriffen wurde, um die Sündhaftigkeit von Mann und Frau – nicht von Natur aus, sondern durch einen Missgriff verursacht – zu erhalten und sie dadurch an der theologischen Leine zu halten.

Wir halten fest: Sündenfall und Erbsünde sind ein Konstrukt derer, die die alten Texte und Erzählungen sammelten und aufschrieben, um sie (erst) ca. 500 Jahre vor Jesu Geburt zu einer umfassenden religiösen Schilderung der Schöpfung dieser Welt und den daraus sich ergebenen Zeitläufe zusammenzustellen – dies alles zum höheren Lobpreis des EINEN. Im gleichen Zug etablierten sie eine religiöse Praxis, in der (vermutlich) sie als Priester und Verwalter dieser Religion sich die Deutungshoheit vorbehielten – und SIE schwangen sich nun zu denen auf, denen die Erkenntnis von Gut und Böse gegeben war, und die Adam und Eva verboten worden war. Und dieses Herrschaftswissen wollten nun die Kirchenväter und unser Oberreformator nicht aus der Hand geben und hielten an der Erbsünde, für die der Sündenfall aufgeschrieben worden war, fest, obwohl sie in der Frohen Botschaft des Zweiten Testaments ausdrücklich für überwunden verkündet worden war. Cui bono?

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass weder das Judentum, noch der Islam, die beide auch die Erzählung vom Garten Eden und Adam und Eva in ihren Schriften enthalten, so etwas ähnliches wie Sündenfall oder Erbsünde aus dieser Episode abgeleitet haben. Was sagt das aus über die Intentionen derer, die uns seit über 1600 Jahren damit belasten? Wir hätten mehr Kirchenmütter gebraucht, meiner Meinung nach…

Doch wie kam die Sünde, das Böse in die Welt? Es muss wohl, wie das Teuflische gerne als gefallener Engel personifiziert wird, schon von Anbeginn an in der Schöpfung existiert haben und es manifestiert sich durch die Entscheidung des Menschen, der die Freiheit hat, zwischen gut und böse zu wählen. Diese Freiheit hatte er auch, ohne explizit den Unterschied zwischen gut und böse zu kennen, entgegen der Ansicht, dass es vor dem sog. „Sündenfall“ kein Böses auf der Welt gegeben habe, sondern dass dies erst durch die Erkenntnis von gut und böse geschehen sei. Dass das absurd ist, liegt auf der Hand.

Im Schneckenhaus

Auf dem Streifen Gras an unserem Plätzchen ist es mir an einem wunderschönen Sommertag gelungen, nur ein kleines Stückchen entfernt von unserer Liegewiese diese herrliche Makroaufnahme zu machen:

Eine Schnecke schleppt ihr noch recht kleines Schneckenhaus unverdrossen einen Grashalm hoch, da sie natürlich nicht weiß, dass sich der Halm unter ihrem Gewicht bei zunehmender Höhe wieder schlagartig der Erde nähern wird. Als ich das aufnahm, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies eine Allegorie für unsere Geschichte werden würde:

So wie die kleine Schnecke kroch ich diesen Halm hoch, ein Grashalm, an den ich all‘ meine Hoffnung auf einen Höhepunkt unserer gemeinsamen Zeit gesetzt hatte – er war noch nicht zum Strohhalm geworden… Es war schwer, da ich nicht nur mich selber hochzuschleppen hatte, kriechend, ich hatte noch das Haus auf dem Rücken – das Haus hier samt allem damit Verbundenem. Aber keine Anstrengung war mir zu schwer, ich kam voran! Und irgendwann muss mich eine Art Höhenrausch gepackt haben, ich wollte mehr!

Jeder von uns weiß, dass es nicht immer nur aufwärts gehen kann, dass kein Glücklichsein ewig anhalten kann. Aber wie dieser Absturz kam, das war (un)vorhersehbar, meiner Gier geschuldet, dem unstillbaren Verlangen nach – was???

Das ist komplexer als gedacht. Krankhafte Sehnsucht nach… etwas, was Personen, Menschen mir gar nicht geben können, müsste ich sie doch dazu ausleeren… oder so ähnlich. Übersteigerte Sucht nach… s.o. – schwer zu fassen; in dem Moment, in dem ich hier etwas einsetzen würde, wäre es schon wieder falsch, eine allzu eindeutige Festlegung auf etwas, was nicht zu fassen ist, nicht mit Worten, ist es doch nur ein unbestimmtes Gefühl!

Jedenfalls bin ich wie die arme Schnecke auf dem Foto immer höher, begann zu träumen, da die Luft begann, dünner zu werden… und dann bog sich der Halm nach unten. Es gab keinen harten Aufprall. Alles verlief ganz sacht, aber ebenso gingen mir die Augen nicht schlagartig auf, sondern erst nach Wochen… und da war alles schon den Bach runter… Vielleicht ging es der Schnecke auch so, dass die sogenannten sintflutartigen Regenfälle sie weggespült haben. Oder sie konnte an dem Ort bleiben – ich werde bald mal nachschauen, wie es dort aussieht!

Und ich werde mir – ebenso wie sie – wieder einen Grashalm suchen und versuchen, an ihm hochzuklettern. Denn in der Zwischenzeit habe ich mich im Kalten und im Dunkeln in mein Schneckenhaus zurückgezogen und so getan, als ob ich wie Wilhelm Busch es ausdrückt, gerne einsam wäre – auch bei ihm ist es gelogen:

Der Einsame

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.

Alleine, unabhängig sein hat sein Gutes, allzu große Nähe ist für mich nichts mehr, aber eine Schulter, an der ich mich ausweinen könnte, ein Haar, das ich küssen könnte, ein Arm, der mich halten, ein Mund, der mich küssen, eine Liebe, die ich spüren könnte – das wäre ein Ziel, für das ich mein Schneckenhaus verlassen würde, um mich wieder auf den Weg zu machen, den Grashalm hoch, mit dem Haus auf dem Rücken, auch wenn die Kräfte nicht mehr so groß sind wie beim ersten Mal – möglicherweise hält diese neue Sicht der Dinge mich davon ab, allzu große Sprünge zu wagen, bei denen die Landung härter sein könnte als ich sie vertragen könnte…

Hausmeistergehilfe im virtuellen Heim

Erst ein Gespräch unterhalb vom Dorf, dann will ich ihr noch was sagen, verstehe aber ihre Antwort nicht und frage nach, worauf sie extrem unwillig reagiert – ich werfe ihr meinen Schuh hinterher, der aber bei Eckerschde in die Baugrube für dem Wolfgang sein neues Haus fällt, wo Elsbeths Vater am Schaffen ist. Ich bin aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und suche eine neue Bleibe. Ich versuche es in dem Saarbrücker Studentenwohnheim, von dem ich schon so oft geträumt habe, das es aber leider nicht gibt. Ich habe noch einen Zimmer- und einen Schrankschlüssel an meinem Schlüsselbund, und in dem gewohnten Zimmer passen sie auch, aber leider ist das Zimmer anderweitig vergeben.

Der Hausmeister kommt dazu, ein junger Mann mit schwarzem Rauschebart – wir kennen uns von (den) Computerkursen, wo auch immer, KSG oder so… (1972-1975 gab es noch keine PCs). Jedenfalls meint er, er könne mich woanders unterbringen. Ich muss aufs Klo, aber leider läuft das derart über, dass man nur eine nasse Hose bekäm – hatten wir letztens schon mal. Dabei sehe ich, dass ein paar Mädchen mir zusehen/können. Auf einmal sind sie in dem Raum, mindestens eine davon kenne ich – woher, keine Ahnung.

Dann treffen sich alle, eine Runde Ehrenamtlicher, Nebenamtlicher, Halboffizieller in einer großen Runde und der Hausmeister hat die Idee, mich anzustellen, als Hausmeistergehilfen, und das, was da zu tun ist, kann ich alles. Das Gelände ist weitläufig, parkähnlich und die Technik ist alt, vertraut. Er bietet mir – mit der Zustimmung der Versammlung – 450 € an, die mir Recht sind und sehr willkommen. Wir reden noch über Rente und Zuverdienst und ich werde die Frage, ob dann das Zimmer umsonst wäre, nicht los. Statt dessen wird Essen bestellt, bei der Rothaarigen, die im B1-Kurs unterrichtet, in der vhs in BKS…

BeeMer

Eberhard Zwiener unterrichtete Deutsch als Zweitsprache in einer Klasse mit vorwiegend afrikanischen Flüchtlingen, ich fand, er machte es zu schwer für die Schüler, zu theoretisch, mit Regeln und so, keine praktische Sprach-Unterweisung. Dazwischen sprach er für mich unverständlich, wohl arabisch, weil er mich auf meine Rückfrage hin scharf zurecht wies, es war wohl verständlich, nur nicht für mich; es stellte sich heraus, dass die Schwester einer Schülerin seine neue Flamme war, die dann meinem Unterricht hernach beiwohnte. Die Schwester hatte Sorge, ich käme ersterer zu nahe, sie hatte Recht, aber natürlich nur sehr vage…

Dann kam einer mit einer BMW-Boxer zu mir auf den Hof, nahm sie auseinander, baute die Zylinder ab, alles picobello sauber, ein Weiterer kam dazu, Benzin- und Bikergespräche, sehr angenehm, das Ganze – schade, wie diese vielversprechende Nacht rum war…

Zum Guten Hirten auf dem Wasser

I. Im Gottesdienst in der Kirche Zum Guten Hirten Streit mit einem Besucher, der den Organisten FN angreift wegen seines Orgelspieles; ich raste aus, und frage, wie so einer Presbyter werden kann. FN ermahnt mich, nicht wieder so böse und falsch zu werden wie letzthin.

II. Mit Manfred Heberlein auf Flußkreuzfahrt in Thailand; herrliche Aussichten, Leben live, mit risk + fun! Auf einmal ist er nicht mehr da. Ich finde ihn unter Deck an einem Tisch mit anderen Ausländern und bin eifersüchtig.

III. Badeurlaub auf Bali mit Nixe in String und wenig dazu; immerwährend versuche ich, tiefere Einblicke zu erhaschen, aber klappt nix, dafür schwellen die Leisten…

lüt/t/j/e Deern

Besuch bei ihr, in einem Haus so ähnlich wie das von Fam. Hahn im Dorf, ein Geheichnis; ich wurde müde und bat, den Kopf an sie legen zu dürfen. Es wurde mir gewährt und ich schlief ein, döste… Danach ein wenig unschuldiges Kuscheln, oder nicht ganz so unschuldig, ich weiß nicht mehr, aber die Schere im Kopf lässt nur noch Unschuldiges zu, zum Glück. Ich musste auf jeden Fall meine Plünnen zusammen suchen und auch das Weite…

Blondes Gift

Es fing an mit einem Bewerbungstraining, an dem ich teilzunehmen hatte, trotz der Befähigung, es selbst durchzuführen…

Ich begann auch gleich, die Dozentin ungefragt mit Rat-Schlägen zu unterstützen, was diese entsprechend unwillig aufnahm. Zum Beispiel konnte ich ihr erklären, wie die Batterien mit AAA, AA, A, B, C, D… bezeichnet werden – sehr belangreich!

Dann ging es vom Erstellen der Bewerbungsmappe gleich zu Vorstellungsgesprächen; vorangegangen waren Tipps, wie man/frau sich kleiden solle – aber die waren wohl eher falsch verstanden worden, wohl wg. dem „Blonden Gift“, s.o…

Jedenfalls fing es damit an, dass die erste Dame, meine kurzzeitige Nachbarin, fast unverhüllt auftrat, sie hatte sich eher eine Deko angetan als eine Bekleidung, diese bedeckte nur unvollkommen ihre Reize, mit einer Art selbstgehäkelter Topflappen, die mit selbstgeknoteten Bändern à la Makrame miteinander verbunden waren, aber meist nicht an Ort und Stelle blieben und so mehr zeigte als verbarg.

Das war aber eine Ausnahme; danach kamen Bewerber*innen, die nur allzu aufbrezelt waren, aber dennoch unpassend. Wir durchliefen gemeinsam noch mehrere, teils unlösbare Prüfungen, da kam schon ein Schwung neuer Bewerber*innen, die aber nicht die Klasse der ersten Linie hatten, eher mütterlichere Typen. Auf einer Station wurde ich angeherrscht, ich solle erst mal duschen gehen – ich musste mit Ausflüchten aufwarten, schämte mich aber in Grund und Boden… In der nächsten Szene standen wir dichtgedrängt, ein anderer wurde aber wegen seines tollen Sakkos gelobt (StB?). Ort des Geschehens war ein Kaufhaus, und wir wurden durch die verschiedenen Abteilungen geschleust, mussten da durch, um unsere verschiedenen Veranstaltungsräume zu erreichen. Auf einmal war meine Jacke weg – ich durchforstete (wieder einmal) lange Garderobenreihen, meine Jacke war nicht zu finden, einschließlich Geldbörse, die ALLES enthielt, also kein Geld mehr, keine Karten, alles weg.. ich versuchte, mich zu behelfen und die Zeit zu überbrücken, bis die Jacke wieder auftauchte. Ich bekam fünf Euro, um damit Kaffee kaufen zu gehen – ich war mittlerweile wohl der gute Geist für die beiden Gruppen von Bewerber*innen geworden, und bevor Schlimmeres passieren konnte, hat mich Jon Schnee geweckt…

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