Ausstellung: Fastnacht in der Reichsstadt Nürnberg

Die Stadtbibliothek Nürnberg lädt ein zu dieser kleinen, feinen und entzückenden Ausstellung mit Schätzen aus der reichen Geschichte der Nürnberger Fastnacht.

Liebe Leserinnen und Leser,

alle guten Wünsche zum neuen Jahr! Nach Advent, Weihnachten und dem Jahreswechsel geht es auf die Fastnacht zu. Unsere Nürnberger Stadtbibliothek zeigt in ihrem Kabinett bis zum 14. Februar ausgewählte Schmuckstücke und Dokumente zur Fastnacht, wie sie vor rund 500 Jahren in unserer Stadt erlebt, gestaltet und aufgezeichnet wurde.

In diesem Zusammenhang kooperiert die Stadtbibliothek mit dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und weiteren Partnern in einem größeren Projekt zur Digitalisierung der Schembartbücher, welche die große Zeit der Nürnberger Fastnacht hundert Jahre später in einzigartiger Weise dokumentiert hatten.

Die größere Ausstellung des GNM möchte ich hier demnächst anzeigen. Bis dahin lese ich schon im Ausstellungskatalog über das Narrenschiff, den Schembartlauf, die Fastnachtsspiele und ihre künstlerische Wiedergabe.

Frohgemute Fastnachtszeit wünscht mit herzlichen Grüßen aus „Narrenberg“ Euer Bernd

https://www.nuernberg.de/internet/stadtbibliothek/schembart.html

WordPress 20, Blog 10, guten Advent!

Kürzlich meldete WP sein 20-jähriges Bestehen. Herzliche Glückwünsche und frohes Schaffen weiterhin! Zuvor erinnerte WP das 10-jährige Jubiläum meines Blogs Transitnuremberg. Gute Wünsche für die Adventszeit!

Liebe Lesende,

was wären wir hier ohne WordPress und die vielfältigen Möglichkeiten? Also ganz herzlichen Dank an unseren Provider mit allen guten Wünschen zur weiteren Entwicklung.

Selber darf ich nun auch schon auf zehn Jahre mit dem Blog Transitnuremberg zurückblicken. Heute verzichte ich auf eine nähere Historie. Vielmehr danke ich allen Leserinnen und Lesern herzlich für Eure Beiträge und Kommentare. So viele Geschichten, Anregungen, Diskussionen, Lektüren und Ausblicke in all Eure Welten.

Zur Adventszeit hier eine Fotogalerie von der Nürnberger Kinderweihnacht.

Herzliche Wünsche und Grüße aus Nürnberg zum 2. Adventssonntag und auf Wiederlesen

Euer Bernd

Tommie Goerz: „Im Tal“

Dem Erlanger Autor Tommie Goerz gelingt eine geradezu antike Tragödie, oder moderner gesagt, ein Psychodrama sonder Güte. Eine Lebensgeschichte zwischen Einöde und Weltkriegen, hier vermeldet.

Liebe Lesegemeinde,
auf einem Kleinbauernhof am Bach im Tal wächst ein kleiner Junge auf, der Toni, mit einer Kuh, einem Schwein und Hühnern, von seinem Vater verprügelt, mit Folgen in der Sprachfertigkeit. War der frühe Tod der Mutter etwa seine Schuld? Die Marga im kleineren Hof bekommt eine Tochter, Marie, und wird dem Toni später kurz erzählen. In der Dorfschule wird der Toni gehänselt und verschafft sich Respekt beim Lehrer mit seiner Rechenkunst unter den Mitschülern. Nach der Schule schickt der Vater den Toni zur Metzgerlehre. Die Marga wird ihn knapp aufklären über die Verhältnisse. Nach einem handfesten Streit mit dem Metzger will der Toni nur noch weg. Und geht als „Freiwilliger“ zu den Soldaten in den ersten Weltkrieg. Sind es die heimatlichen Vogelstimmen, die ihm helfen, den Grabenkrieg in Frankreich zwischen pfeifenden Gewehrkugeln und krachenden Granaten zu überstehen? Und oder eine erotische Erfahrung?
Nach Kriegsverletzung, Lazarett und Wiedereinsatz findet der Toni einen Ausweg nach Hause. Dort, im Tal, ist es auch nicht mehr, wie es vordem war. Aus der heimatlichen Fränkischen Schweiz geht er in den Frankenwald und verdingt sich als Holzfäller und Flößer. Nach Jahren baut die Flößerei ab, und der Toni kehrt zurück ins Tal. Er wird den kleinen Hof wiederbeleben, mit den Tieren im Stall, den Obstbäumen im Garten und träumt von der Marie. Da dies tragischerweise aussichtlos bleibt, geht der Toni wieder fort und „freiwillig“?, mehr ausweglos, in den zweiten Weltkrieg. Nach erneuter Verletzung kann er mit einem Kameraden abhauen und im italienisch-schweizerischen Gebirge dank seiner Kenntnisse als Alpwirt notdürftig überwintern. Wie wird der Toni nachhause ins Tal zurückkehren?


Hoffentlich habe ich hier jetzt nicht schon zu viel erzählt, jedenfalls die dramatischen Wenden nicht verraten. Tommie Goerz bietet eine fesselnde Lektüre in passender Sprache für einen Lebenslauf im zwanzigsten Jahrhundert.

Tommie Goerz, „Im Tal“. Roman, ars vivendi verlag, Cadolzburg 2023; Taschenbuch im Piper Verlag, München 2025

Für das Buchgeschenk danke ich sehr, und habe einen Tausch verabredet für Tommie Goerz‘ neues Buch „Im Schnee“. Zum „Schnee“ gab es hier in den Blogs dankenswerterweise mehrere Beiträge. Wäre ich der erste im „Tal“? Freue mich auf Euere Lesarten und Kommentare …

Fränkische Grüße sendet Bernd

Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2025

Die Israelin Robi Damelin und die Palästinenserin Laila AlSheikh von der israelisch-palästinensischen Versöhnungsinitiative Parents Circle – Families Forum (PCFF) sind am heutigen Sonntag, 21. September 2025, mit dem Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden.

PCFF bringt seit 1995 israelische und palästinensische Familien zusammen, die durch den Nahostkonflikt ein Familienmitglied verloren haben, und bietet Bildungsprogramme und Aktivitäten zur Trauerbewältigung. Den Preis haben Oberbürgermeister Marcus König und Jury-Mitglied Noa Karavan-Cohen, die auch die Laudatio auf die Preisträgerinnen hielt, überreicht. Die 16. Verleihung der mit 25 000 Euro dotierten Auszeichnung fand im voll besetzten Opernhaus des Nürnberger Staatstheaters vor rund 1 000 Gästen statt.

„Angesichts des Terrors am 7. Oktober 2023 und der Verheerungen im Gazastreifen mag es viele Menschen verwundern, wenn nicht sogar irritieren, von Freundschaft und Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern zu sprechen. Aber es gibt sie, die jüdisch-palästinensischen Freundschaften, die Mitglieder von Parents Circle – Families Forum geben uns dieses Beispiel“, sagte Oberbürgermeister Marcus König zur Eröffnung des von der Staatsphilharmonie Nürnberg unter Leitung des Generalmusikdirektors Roland Böer musikalisch umrahmten Festakts.
„Welch eine Größe, welch ein Humanismus, angesichts des Verlusts eines geliebten Menschen, nicht selten des eigenen Kindes, auch die Trauer und das Leid der anderen zu sehen, die Hand auszustrecken und aus der Freund-Feind-Logik auszubrechen!“, fuhr das Stadtoberhaupt fort. „Den gemeinsamen Willen, über alle Verletzungen hinweg nicht aufzugeben, im Gespräch zu bleiben, Brücken für Versöhnung und Frieden zu bauen, dieses Zeichen sendet Parents Circle – Families Forum auch in unsere Gesellschaft hinein, wenn Jüdinnen und Juden wieder einmal Angst haben müssen, ihren Glauben zu leben und ihre Identität zu zeigen. Und wenn muslimische Bürgerinnen und Bürger erleben, wie sie unter Generalverdacht gestellt und mit Hass überzogen werden.“

In einem Videogruß sagte Steffen Seibert, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel: „Ich habe mich sehr gefreut, als ich erfuhr, dass Parents Circle diese hohe Auszeichnung bekommt. Einige der Menschen, die diese Organisation tragen, habe ich hier im Laufe meiner Jahre als Botschafter kennengelernt und sie gehören zu denen, die mir immer wieder Hoffnung machen, die mich immer wieder doch an eine bessere Zukunft glauben lassen.“ Weiter führt der Botschafter aus: „Die Umstände, unter denen diese Frauen und Männer ihr Liebstes verloren haben, sind unterschiedlich und auch nicht unbedingt gleichzusetzen. Gleichzusetzen ist der Schmerz, das Loch im Herzen, die Sehnsucht, das Kind noch einmal in den Armen zu halten. Gleichzusetzen ist die Frage, die sich für alle diese ihrer Kinder beraubten Eltern stellt. Wie weiterleben? Wie umgehen mit diesem Verlust? Wohin mit dem Schmerz? Und jetzt kommt das Entscheidende: Die im Parents Circle engagierten Israelis und Palästinenser haben allesamt eine Antwort gefunden. Sie sagen auf Hebräisch, wie auf Arabisch, die Antwort auf den Verlust des eigenen Kindes kann nicht Rache sein. Kann es nicht sein, nun auf der anderen Seite noch mehr Blut fließen zu sehen, das Töten in alle Ewigkeit zu verlängern. Die Antwort muss es sein, erst einmal auf andere zuzugehen, die ähnliches erlebt haben.“ Steffen Seibert in seiner Videobotschaft: „Danke der Stadt Nürnberg, dass sie diese mutigen Menschen auf ihrem Weg unterstützt. Danke für diesen Beitrag zur Versöhnung. Grade jetzt ist das ein Lichtblick.“

In ihrer Laudatio hob Jury-Mitglied Noa Karavan-Cohen hervor: „Parents Circle – Families Forum ist eine einzigartige Organisation, die israelische und palästinensische Hinterbliebene zusammenbringt, die Angehörige im Konflikt verloren haben. Anstatt zuzulassen, dass Trauer zu Hass erstarrt, haben sie sich dafür entschieden, ihren Schmerz in einen Katalysator für Versöhnung und Frieden zu verwandeln. Ihre Arbeit ist eines der mutigsten Beispiele für Hoffnung angesichts von Verzweiflung und für Menschlichkeit angesichts von Gewalt.“

In ihrer Dankesrede sagten die Preisträgerinnen Robi Damelin und Laila AlSheikh: „Wir glauben, dass jede Seele kostbar ist. Gott hat uns geschaffen, um einander zu lieben, nicht um uns gegenseitig zu töten. Wir sind für unsere Gemeinschaft verantwortlich. Wir können nicht tatenlos zusehen. Wir Palästinenser und Israelis müssen gemeinsam handeln, um Frieden zu erreichen.“

Die Preisträgerin des Jahres 2025
„Gemeinsam setzen sie sich für ein Ende des Blutvergießens ein und rufen zur Versöhnung auf. Ihr Engagement für die Förderung gewaltfreier Lösungen des Konflikts ergibt sich aus der gemeinsamen Erfahrung des Verlusts“, betont die internationale Preis-Jury in ihrer Begründung. Auch nach dem Terror-Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 setzt PCFF die Bereitschaft zum Dialog konsequent fort – trotz verstärkter Proteste gegen ihre Arbeit. Die Organisation hat es mit Hilfe ihrer Mitarbeitenden und ihrer Mitglieder geschafft, über Online-Formate in Kontakt zu bleiben, laufende Verständigungsprogramme und ihre Social-Media-Aktivitäten weiterzuführen.

PCFF fördert den Dialog und baut Brücken. Ihr Engagement fußt auf der Überzeugung, dass Verständnis und Empathie Feindseligkeit überwinden können. Die Mitglieder stehen in ihrer Trauer zusammen und bieten Bildungsprogramme an, die Empathie zwischen Israelis und Palästinensern fördern. In einem Begegnungsformat, dem sogenannten Dialogtreffen, teilen eine Israelin oder ein Israeli sowie eine Palästinenserin oder ein Palästinenser mit dem Publikum ihre Geschichte des Verlusts – und damit auch ihre mutige Bereitschaft zur Versöhnung. Mit diesem Angebot, das auch Schulklassen in Anspruch nehmen, hat PCFF in den vergangenen zwanzig Jahren über 250 000 Menschen erreicht.

Laila AlSheikh und Robi Damelin, Nürnberg, 21. 09. 2025. Foto: R. Löster

Gemeinsam tafeln für Frieden
Im Anschluss an den Festakt begleitete Oberbürgermeister Marcus König Robi Damelin und Laila AlSheikh zur traditionellen Friedenstafel. Rund 4000 Bürgerinnen und Bürger feierten hier ihre Preisträgerinnen. Die von der Stabsstelle Menschenrechtsbüro & Gleichstellungsstelle und dem Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg organisierte Veranstaltung lädt seit 1999 Nürnbergs Bürgerschaft dazu ein, ein Zeichen für Frieden, Toleranz und die Achtung der Menschenrechte weit über die Grenzen der Stadt hinaus zu setzen.

Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis
Im Bewusstsein der Verantwortung, die ihr aus der NS-Zeit erwachsen ist, hat die Stadt Nürnberg als Antwort auf die Menschenrechtsverletzungen jener Jahre 1995 den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ins Leben gerufen. Seitdem honoriert sie alle zwei Jahre den mutigen Einsatz von Aktivistinnen und Aktivisten, die sich zum Teil unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Damit will die Stadt Nürnberg einen Beitrag zur weltweiten Achtung der Menschenrechte leisten und dazu ermutigen, sich für Menschenrechte zu engagieren und diejenigen zu schützen, die sie verteidigen. Inspiriert wurde der Preis von der „Straße der Menschenrechte“, die der Künstler Dani Karavan in Nürnberg geschaffen hat. (fra)

Weitere Informationen online unter
www.menschenrechte.nuernberg.de
https://www.theparentscircle.org/en/homepage-en/

Textquelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kommunikation und Stadtmarketing, Nachrichten aus dem Rathaus, Nr. 1007 / 21.09.2025

Bildquelle: loester.net

Freundliche Grüße aus Nürnberg, Bernd

Ferienpost aus Nürnberg

Einige Ferientage genieße ich zuhause in der Stadt und teile gerne ein paar Aufnahmen meiner Lieblingsansichten – hier der Tugenden, Narren und Philosophen.

Liebe Leserinnen und Leser,

insbesondere im Sommer sind die Brunnen in der Stadt erfrischend und wertvoll. Ich schaue gerne bei ihnen vorbei, lasse mich erinnern und inspirieren. Immer wieder mag ich den Tugendbrunnen bei Sankt Lorenz, den der Rotschmiedemeister Benedikt Wurzelbauer 1598 geschaffen hat. Die Darstellung der antiken Tugenden Besonnenheit, Tapferkeit und Weisheit, gipfelnd in der Gerechtigkeit, verbunden mit den christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung betrachte ich als Sinnbild und Empfehlung guten Rates und der Regierung der Stadt. Die Justitia oben hat einen Kranich im Rücken, der als Allegorie der Wachsamkeit verstanden wird. Bin dankbar, dass dies originale Werk sehr gepflegt wird.

Die Königstraße hinunterspazierend, nach der Museumsbrücke über die Pegnitz treffen wir auf das Narrenschiff, welches manchmal als Brunnen bezeichnet wird, allerdings nicht bewässert ist. Der erste Guss der Bronzeskulptur von Jürgen Weber steht in Hameln, der zweite Guss wurde 1987 der Stadt Nürnberg von Kurt Klutentreter gestiftet und steht seit 1989 an markanter Stelle der Plobenhofstraße, kurz vor dem Hauptmarkt. Die Darstellung greift zurück auf den „Bestseller“ „Das Narrenschiff“ von Sebastian Brant, Basel 1494.

Nur ein paar Schritte weiter fällt der Blick auf den Schönen Brunnen am Hauptmarkt. Die Pyramide wurde in der Zeit von Kaiser Karl IV. um 1370 geplant und 1389 – 96 von Parlier Heinrich Beheim ausgeführt. Über die Jahrhunderte wurde der Brunnen wiederholt überarbeitet und erneuert. Das Figurenprogramm veranschaulicht das mittelalterliche Weltbild mit dem Gesetzgeber Moses und sieben Propheten, die Verfassung des Heiligen Römischen Reiches gemäß der „Goldenen Bulle“ von 1356 mit den sieben Kurfürsten, daneben neun weltlichen Heldenfiguren, dazu die vier Evangelisten und vier Kirchenväter sowie in der ersten Reihe Sokrates mit Vertretern der sieben freien Künste: Donatus – Grammatik, Cicero – Rhetorik, Aristoteles – Dialektik, Nikomachus – Arithmetik, Euklid – Geometrie, Ptolemäus – Astronomie und Pythagoras – Musik. Einige frühere und verwitterte Sandsteinfiguren sind im Germanischen Nationalmuseum aufbewahrt, drei Prophetenköpfe in den Staatlichen Museen Berlin. Nach der letzten Neufassung 1989 war einige Jahre der Wasserlauf unterbrochen; seit einer Weile sprudelt der Brunnen wieder schön. Wiewohl ich erst kürzlich ältere Aufnahmen gesendet hatte, freue ich mich über eine neue Serie mit etwas anderen Lichtverhältnissen.

Alle Aufnahmen des Autors vom Dienstag, 19. August 2025.

Und sonst so? Ja, freilich Musik beim Bardentreffen, Festival der Weltmusik. Einige feine Aufzeichnungen des Bayerischen Fernsehens sind noch längere Zeit aufrufbar in der ARD Mediathek, Bardentreffen Nürnberg 2025. Gerade lausche ich dem katalanischen Duo „Tarta Relena“, Stimmen mit Elektronik nach. Auf jeden Fall hörens- und sehenswert …

Angenehme Ferienzeit im Spätsommer! Herzliche Grüße aus Nürnberg sendet Bernd

Nürnberg 975

So ein dreiviertel Stadtjubliäum wird hier nicht gefeiert? Ja, doch, mit der Verleihung der Bürgermedaille an fünf engagierte Bürgerinnen. Gleichwohl mache ich gerne darauf aufmerksam mit der Sigena-Urkunde von 1050 als erste urkundliche Erwähnung norenbercs.

Liebe Leserinnen und Leser,

im Ort und einigen, später eingemeindeten Ortsteilen gab es schon ältere Ansiedlungen, Bauten und Zeugnisse. Der Name norenberc, heute Nürnberg, taucht erstmals in dieser Urkunde auf:

„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Heinrich von Gottes Gnaden erhabener Römischer Kaiser. Kund sei allen unsern christ-gläubigen Getreuen heute und künftig: Wir haben eine Leibeigene, Sigena mit Namen, die ein Edler namens Richolf uns an seiner Hand vorführte, und die ihm gehörte, frei gemacht, indem wir
aus ihrer Hand einen Pfennig mit unserer Hand herausschlugen. Wir haben sie ganz vom Joch der Hörigkeit gelöst, so dass die genannte Sigena von nun an das gleiche Recht und die gleiche Freiheit genießen soll, wie sie die übrigen von Königen oder Kaisern freigelassenen Leibeigenen bisher genossen haben. Und damit eine solche von uns geschenkte Freiheit nunmehr ihre dauerhafte und unverletzliche Rechtskraft behalte, haben wir diese Urkunde daraufhin ausgefertigt und durch Eindrücken unseres Siegels beglaubigen lassen.
(Siegel)
Ich, Winitherius, Kanzler, habe in Vertretung des Erzkanzlers Bardo die Richtigkeit geprüft. Gegeben am 16. Juli im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1050, im 3. römischen Steuerjahr, aber im 21. Jahr der Einsetzung des Herrn Heinrich, des dritten Königs und des zweiten Kaisers dieses Namens, im 12. Jahr seiner Königswürde, im 4. Jahr seines Kaisertums. Geschehen zu Norenberc.
Glückauf ! Amen“

Quelle: Stadtarchiv Nürnberg, Signatur: A 1, 1050 Juli 16

Dort mit Abbildung, Originaltext in Latein sowie kurzer Erläuterung.

Über die Hörige, Leibeigene Sigena und den Edlen Richolf ist anderweitig nichts bekannt. Im Zuge der Romantisierung Nürnbergs im 19. Jahrhundert und seither ranken sich phantasievolle Liebesgeschichten um die beiden, zuletzt ein Musical. Seit der Wiederauffindung und Würdigung der Urkunde, insbesondere seit dem auf das Urkundendatum bezogenen Feier des Stadtjubiläums 1950 verbinden sich mit ihr die Vorstellungen von Befreiung, Freiheit und Emanzipation.

„Die Entlassung aus der Hörigkeit, die einer Art Nobilitierung gleichkam, stellte S. rechtlich dem Stand des Bittstellers gleich. Die Folgerung liegt daher nahe, daß Richolf mit diesem Schritt eine Eheschließung mit S. (oder die nachträgliche Legalisierung einer solchen) beabsichtigte, um den gemeinsamen Kindern das Schicksal der Unfreiheit zu ersparen und ihnen vielmehr eine gewisse Ebenbürtigkeit, wenn nicht gar Erbansprüche zu ermöglichen. Im Rahmen der 900-Jahr-Feier der Stadt N 1950 ((->) Stadtjubiläen) wurde S., deren Name hier wegen der Ersterwähnung N in der S.-Urkunde mit dem vermeintlichen ‚Stadtgründungstag‘ in Verbindung gebracht wird, als Symbol der Freiheit personifiziert. Nach ihr ist außer einer Straße im Stadtteil (->) Luitpoldhain das (->) S.-Gymnasium benannt, vor dem 1958 eine von dem Bildhauer Leo Smigay (1900-70) geschaffene Statue enthüllt wurde.“ Stadtlexikon Nürnberg

Bildergalerie: Nürnberg, Schöner Brunnen, Aufnahmen 2017

Soweit für heute. Feliciter – Glückauf! Herzliche Grüße aus Nürnberg sendet Bernd

Ida Herz und Thomas Mann

Friedhelm Kröll: Die Archivarin des Zauberers. Ida Herz und Thomas Mann, ars vivendi verlag, Cadolzburg 2001, 240 Seiten

Liebe Leserinnen und Leser,

mit einem Blick und Griff zog ich kürzlich die Studie von Friedhelm Kröll aus dem Bücherschrank. Ausweislich der Widmung und Einlagen war ich damals Gast der Buchpräsentation. Aus gegebenem Anlass der Jahrestage von Thomas Mann mag ich das spannende Wiederlesen hier nacherzählen.

Ida Herz (1894 – 1984) war als 14-Jährige von ihrer Lektüre Thomas Manns begeistert, las und sammelte alles von ihm, was ihr in die Hände fiel. Sie absolvierte eine Ausbildung in der Verlagsbuchhandlung Schrag in Nürnberg. Eine erste kleine persönliche Begegnung erinnert sie in der Frankfurter Buchhandlung Joseph Baer, Anfang 1922. Am 24. Februar 2024 erblickte Ida Herz Thomas Mann in der Straßenbahn von Fürth nach Nürnberg, er kam von einer Lesung und hielt abends einen weiteren Vortrag. Ida Herz fasste sich ein Herz und sprach den verehrten Schriftsteller an, der sich freute und sie zu einem gelegentlichen Besuch nach München einlud. Mehrere Wochen lang, 1925, ordnete sie Thomas Manns Bibliothek in München. Sie pflegten eine Brieffreundschaft, versorgten sich wechselseitig mit neuen Informationen, Publikationen und besuchten sich, so dass sie seine Familie kennenlernte und er auch ihre Verwandtschaft. Idas Eltern führten im Nürnberger Stadtteil Gostenhof die Firma Herz und Beselau, Darm-, Gewürz- und Fleischerutensilien, in die sie als Prokuristin eintrat. Sie arrangierte für Mann einen Vortrag bei den „Freunden der Volkshochschule“, der am 10. Mai 1932 in Nürnberg stattfand unter dem Titel: „Goethes Laufbahn als Schriftsteller“.   

Autor Friedhelm Kröll schildert, dass der Schriftwechsel um und nach der nationalsozialistischen Machtergreifung intensiv geworden sei. Für beide schwerste Belastungen. Thomas Mann wird von einer internationalen Vortragsreise zu Wagner-Vorträgen in Amsterdam, Brüssel und Paris nicht mehr nachhause zurückkehren, sich zeitweise in der Schweiz und Frankreich, später in den USA aufhalten. Das Münchner Haus wird beschlagnahmt. Mit Hilfe einer Haushälterin und Freunden gelingt es Ida Herz unter persönlichen Risiken, dort zunächst ein aktuelles Arbeitskonvolut des Joseph-Projektes zu holen und in die Schweiz zu senden, später auch zwei Drittel der Bibliothek in 37 Kisten. Ihre eigene Thomas-Mann-Sammlung von Dokumenten bringt sie sicherheitshalber unter bei der französischen Legation, Gesandtschaft in München.  

Im März 1934 und April 1935 kann Ida Herz die Manns in Zürich-Küsnacht besuchen. Juli / August 1934 wird sie nach Hausdurchsuchung allerdings für sieben Wochen in Untersuchungshaft in Nürnberg festgehalten wegen ihres Kontaktes zu Thomas Mann sowie kritischen Äußerungen über die Reichsregierung und Gauleiter Julius Streicher. Nach erneuter Denunziation und Erlass der „Nürnberger Gesetze“ des Reichstages vom 15. September gelingt Ida Herz am 16. September 1935 die Flucht in die Schweiz und Ende 1936 die Ausreise nach London. Vom Deutschen Reich wird Ida Herz 1938 ausgebürgert.  

Der Literaturwissenschaftler und Soziologe Friedhelm Kröll legt mit psychoanalytischer Note anhand von Briefen und Dokumenten aus dem Züricher Thomas-Mann-Archiv – zu dem die Herz Collection einen beträchtlichen Beitrag leistet – detailliert dar, wie sich die Beziehung von Herz zu Mann über die Jahrzehnte entwickelt und welche Bedeutung sie für sein Schaffen gewonnen hat. Dies umfasst sowohl die bibliothekarischen und archivalischen Leistungen wie die Eindrücke und Informationen aus der jüdischen Lebenswelt in der „übelsten Nazi-Stadt“ und den Gedankenaustausch über die deutsch-jüdischen Verhältnisse.

Ida Herz äußerte sich in eigenen Vorträgen und Artikeln später persönlich bescheiden und würdevoll. Selbst desillusioniert und gekränkt von einigen geringschätzigen und spöttischen Äußerungen („unselige Herz“) in den später veröffentlichten Tagebüchern von TM. Wiederum betont Kröll die Würdigung des „Sohnes Lübecks“ für die „Tochter Nürnbergs“. Thomas Mann setzte Ida Herz in seinem „Doktor Faustus“ laut Kröll ein „literarisches Denkmal“.

Für Friedhelm Kröll (1945 – 2023) war es ein Desiderat, dass der Briefwechsel weiter erforscht und ediert werde, auch insofern er zu den umfangreichsten Korrespondenzen von Thomas Mann gehöre. Dieser Wunsch ging nun in Erfüllung:

Thomas Mann & Katia Mann, „Liebes Fräulein Herz“. Briefwechsel mit Ida Herz 1924–1955, Herausgegeben von Holger Pils, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, Erscheinungsdatum: 28. Mai 2025, 800 Seiten – Leseprobe auf der Verlagsseite

Soweit für heute. Herzige Grüße aus Nürnberg sendet Bernd

Ostern in Nürnberg

Nach der Passionszeit der Gottesdienst zu Karfreitag, ein schöner Sonntag im kleinen Familienkreis und am Montag ein besinnlicher Stadtrundgang mit Andacht an den verstorbenen Franziskus, der tags zuvor den Ostersegen gespendet hatte.

Karfreitag:

Klinikkapelle – Kirschblüte – Sankt Sebald: Landauer Grabmal, Kreuzweg

Ostern:

Frauenkirche: Epitaphbild Auferstehung; Ostermarkt; Sankt Sebald: Landauer Grabmahl: Auferstehung; Mittelhalle; Altar; Kreuzweg: Auferstehung

Zugabe:

Weinstadel mit Henkersteg; Osterwünsche, Schaufenster

Nachdenklich und herzlich grüßt Bernd aus Nürnberg

Bundestagswahl: Meine zwei Stimmen für die SPD

Am Sonntag wählen wir den neuen Bundestag. Viele Wahlberechtigte haben ihre Wahl getroffen. Einige sind noch am überlegen. Allen zusammen hier meine Gedanken, kurz und plakativ.

Liebe Leserinnen und Leser,

am kommenden Sonntag haben wir wieder die Wahl zum Deutschen Bundestag. Wir genießen das Wahlrecht, das nicht alle auf der Welt und in unserem Land haben.

Langjährige Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen, dass ich zu den jeweiligen Wahlen schreibe und für die SPD werbe.

Bitte geht zur Wahl! Guten Wahlsonntag und angenehmes Wochenende wünscht mit herzlichen Grüßen aus Nürnberg

Bernd

Spazieren im Stadtpark

Was für einen schönen Sonntag, diesmal Lichtmess, genießen wir im Nürnberger Stadtpark. Der Weiher zugefroren, Bäume mit starkem Astwerk, Sträucher und Stauden, auch Frühblüher auf den Gartenbeeten vorsichtig knospend. Hier ein paar Eindrücke in der Bildergalerie.

Nahe der alten Linde erinnert das Schiller-Denkmal an „Anmut und Würde“. Beim Park-Restaurant blühen rot eine Zaubernuss und gelblich die Hasel, der Bambus sprießt. Am Zen-Garten ein starker Stamm, kleine Stege; kräftige Magnolien bereiten ihre zarte Pracht vor. Zwei Pokale erinnern an eine frühere Industrie- und Handwerks-Ausstellung sowie an das Sängerfest von 1861 an diesem Ort. Um die Frosch-Skulptur herum gibt es eine Sprayer-Galerie. Die Türme der Reformations-Gedächtniskirche spitzen herüber.

Danke sehr für die freundlich-kollegiale Begleitung.

Schöne Grüße aus Nürnberg sendet Bernd