vom brückenkopf aus der blick zum naturkundemuseum und zur feuerwache, sahst nie eines der fahrzeuge ausrücken, so oft du da auch verweiltest, im rücken der passanten strom, lehntest dich ans blaulackierte geländer, und ländereien öffneten sich, vielleicht hieltest du die augen geschlossen und gewahrtest dann, dass die abenddämmerung hereingebrochen, was an diesen anderen tagen unvermittelt, konntest also den rückweg durch die schleuse mit den geschäften, die nun scheinbar erst erwacht, passieren, ohne in die auslagen zu sehen; es reicht nicht, diese tage oder nichtgeschehnisse eins um eins zusammenzuzählen, das macht alles nur noch unberechenbarer –

träumte j., so zumeist vom elternhaus oder vom keller ihrer derzeitigen behausung, in dem das wasser stand, aus dem sie die briketts herauszog gleich fischen mit bleichem schuppenfell, so sie getrocknet, hinterm kachelofen in der h.-straße, ihr gehörte das am tiefsten gelegene gelass im haus, von der lattentür führten im halbdunkel stufen abwärts ins loch, weshalb die kohlenträger sich weigerten, dort hinabzusteigen, sie kippten die briketts auf dem bürgersteig ab, beobachtet von den köpfen aus sandstein an der fassade –; was, wenn j. wirklich einmal die brücke am jenseitigen ende verlassen, die stufen hinabgestiegen vorm central-hotel, dessen fassade schwärzlich von abgasen und ruß, wo das frühstück gut und teuer, oder gar noch weiter die straße hinab richtung zoo, wo man vor den käfigen vom vorübergehen der stäbe sinnieren konnte, was sie, an den anderen tagen, zu dingen bringen mochte, die außerhalb ihrer vorstellung; diese häuser erschienen ihr als eine last, die man nie wieder los wurde –

noch einmal auferstehen lassen die zeilen – die zeilen, die der zaun vorstellte, die latten dessen lettern, buchstabiertest sie, erfasstest lücke für lücke, durch die der blick in den graben ging, in dem manchmal rinnsale wassers, und dann hinauf auf die fernstraße, dies glänzende pflaster, das die wunde deckte, ach das anwesende jenseitig, felder und teich, nicht weniger als eine sehnsucht nach vergangenheit –

als könnte es sie noch geben, die tage im schatten der hiesigen, wo alles anders, nur nicht das gewohnte, abgewohnte einer bürgerlichen existenz, wie sie j. vorstellte, in jenen jahren –

man muss beginnen, sagte sich j., gerade in einem augenblick, in dem man sich aus allen zusammenhängen herausgefallen wähnt, wie eben, wo keiner aus dem freundeskreis sich rührt, dem rest, rudiment davon, der noch nicht explodiert, j. täglich einige der freunde anruft, und so jemand abnimmt, erscheint ihr die stimme fremd, nicht zugehörig, als ob sich da ein anderes ich eingenistet, in dieses anwesen –; die verwandlung von existenzen, die einst sub gewesen, ins öffentliche – hier spiegelte sich wer im blinden glas aufgelassener geschäfte, aufgaben allzumal, aufgeben und neues schaffen, das dann andere …, an solchen tagen, die jeglicher zählung entbehren, gar mitschuld, die einfach abgekommen aus dem und vom leben, in spalten vegetieren, in denen ab und an auch samen aufgehen, zarte, magere triebe, und mal sehen –; tage, die offenbar ohne ursache, die ein vorwurf aufs erahnte –

der anderen tage morgen, was brachte das, bliebst lange im bett, bis die schatten kurz, allzu kurz, in ihnen abzutauchen – über die freitragende stählerne brücke ist dann j. oft gegangen, am späten vormittag, die in ihrem körper ein beben verursachte; sie schaute auf die strasse, den schienenstrang, und kehrte manches mal um, als ob sie ihr vorhaben vergessen, nichts mehr davon stimmte, an diesen anderen tagen, und sie selbst eine andere, die so niemand kannte, vielleicht gar, dass sie unsichtbar, in der schwebe überm altstädter ring –

flüstert das Licht in den Zweigen nochmal, morgens, wenn die Sonne flach überm Horizont , streift über den Boden, die durchscheinende Schicht Schnee, unter der die Gräser, blass –

verse später, wenn es an worten gebricht, jeder satz nur noch ein erzwungener, nach vorn, zur seite, zurück, gegen die leere in dir, die leere der vermüllten umgebung, von dingen, die dich nicht zu wort kommen lassen, trittst auf scherben im blattwerk, scherben, die flaschengrün, so wie ein moos, das zwischen all den brauntönen, gehst schon in die hocke, es zu berühren –

bliebst vor telefonzellen stehen, wo der groschen nicht fiel, ein selbstgespräch das einfachste, summtest in die muschel den hohen ton der meere in ihrer abwesenheit, ufertest dicht am straßengrund, wo der zug noch zu spüren, von jenem in die ferne, dessen abfahrt du verpasst, der ampel rot, das signal, zu gehen –

sie spricht zu sich, spricht sich zu, mit nicht vernehmbarer stimme, lieber zu sich als zum alkohol melancholie, die, kaum dass es dunkel, das schweigegetränk, das einvernehmliche, das sie zu sich nimmt, in kleinen schlucken, in der fünften, sechsten stunde des vorabends, und dabei auf die lichtstickereien jenseits des fensters blickt, auf die schußfäden etwelcher gewebe, und sich sein lässt, samt der bilder im kopf, des kissens im nacken –

war es in jenem november, in dem die flüsse sich über die ufer schwangen, und es so mild, dass die büsche neu auszutreiben begannen, in die grauwerte der regen hinein, die tag für tag niedergingen, man in dieser milchigen luft nach atem rang, als ob da ein gas, das ohne maske auszuhalten der alltag erzwang –

siehst dich in dem einen Land, wo kein Schatten blieb von dir, auf dem Asphalt, auf unbefestigten Wegen, die du so oft gegangen, unterm Laub der Birken, deren Stämme dünn, hörtest ihre Stimmen nicht, machtest auf Vergänglichkeit, so viele Wege –

hatte einen traum, kurz nach mitternacht, schien sich um stelen zu drehen, die irgendwo aufgestellt, ein kunstprojekt, und einer stand zwischen ihnen, schmal, als ob er eingeklemmt, was aber nur der eindruck, wie auch der von einer unbeweglichkeit der ganzen szenerie, allein dass worte fielen, worte wie anderswo soldaten oder söldner, hier worte, die vor dem aufkommen auf dem boden ausgelöscht, und selbst das taglicht hatte mühe, ihn zu erreichen/ sprachen da zwei und rührten sich nicht –

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