Vom 29. Oktober bis 9. November 2025 zelebrierte die Stadt ihr erstes Rheinlicht-Festival. Lichtinstallationen mit fantasievollen Namen wie „Mondsucht“, „Zwischenwelten“ oder „Eternal Sundown“ erleuchteten die Ecken der nächtlichen Innenstadt zum Teil geheimnisvoll. Was mich besonders begeistert hat war die subtile Einbeziehung örtlicher Gegebenheiten. Beispiel dafür waren die Munotkasematte (der Hauptraum unter dem Wahrzeichen Schaffhausens), der Innenhof des Klosters Allerheiligen oder der Platz des Herrenackers.

~“Mondsucht“: Installation Herrenacker.~

~“Grosses Feuer“: Installation Münsterkirche.~

Inszeniert und organisiert wurde das Event durch die Co-Präsidenten Roger Staub und Reiner Roduner, den Initianten Adrian Brugger und das Marketing wurde betreut von Sandrine Spengler. Adrian Brugger kennt man vom Schaffhauser Musikfestival „Stars in Town“, das auch schon einmal „Die Toten Hosen“ in die Kleinstadt gebracht hat. Roger Staub hat mit dem Citymanagement zu tun und Reiner Roduner kommt aus einem Netzwerk von Kreativschaffenden.

~“Der Deal“: Installation Munotkakasematte.~

~“Eternal Sundown“: Installation Rheinkniebrücke.~

In einem Exposé sagten die Veranstalter „Ziel ist es, ein niederschwelliges, interaktives Kulturerlebnis für alle Generationen zu schaffen.“ Keine Sorge, das Event war nicht so kompliziert wie die Beschreibung. Im Gegenteil war es Spass für alle. Auf einem mit „Lichtweg“ beschriebenen Plan fanden sich 21 Lichtinstallationen und Kunstwerke über die Innenstadt verteilt. In der Vorbereitung konnte man finanzieller Supporter werden und auch finanzkräftige Partner wie die Windler-Stiftung, die Versicherung Mobiliar, die Schaffhauser Kantonalbank und die SIG wurden gewonnen. Was aber besonders wichtig war, war die Mitwirkung der Künstlerinnen und Künstler. Darum ging es ja.

~“Skybeamer“: Installation Munotzinne.~

Die Bilanz: Über 25´000 Besucherinnen und Besucher belebten die Schaffhauser Innenstadt. Aber es gab auch verhalten Kritik. Philipp Riesen, Leiter der Sternwarte Schaffhausen befand „Der Himmel ist zu hell“. Und das in einer für die Sternwarte wichtigsten Phase der Himmelbeobachtung. Er meinte wohl die riesigen Scheinwerfer, sogenannte Skybeamer auf der Munotzinne. Da komme ich jetzt in einen Gewissenskonflikt. Lichtkunst und Astronomie interessiert mich gleichermaßen.

Donalds Ballsaal

Dezember 1, 2025

Hier in diesem Blog schreibe ich nie über Politik und schon gar nicht über einen Mann, der seit seinem zweiten Amtsantritt angeblich sieben Kriege beendet hat. Die Rede ist von Donald Trump, dem amerikanischen Präsidenten. Der Mann ist so umtriebig, dass man gar nicht hinterherkommt.

~Der Ballsaal für rund 1000 Tanzbegeisterte: Nur auf dem Papier, aber schon bald beängstigende Wirklichkeit.~

Aber eines seiner neueren Vorhaben ist so grotesk, dass ich es trotzdem erwähnen möchte. Außerdem hat es irgendwie mit Kultur zu tun und so gehört es in die Nähe meines Kultur-geprägten Blogs. Donald Trump will auf dem Gelände des Weissen Hauses in Washington einen pompösen Ballsaal für 1000 Gäste schaffen und dafür hat er schon mal den Ostflügel des Weissen Hauses abreisen lassen. Wenn ich mich recht erinnere in der Periode, als Demokraten und Republikaner um den neuen Etat stritten und noch nicht mal Geld für die Gehälter der Staatsbediensteten da war. Amerikanische Soldaten in Deutschland sollen in den Suppenküchen angestanden haben. Aber das schien ein Gerücht gewesen zu sein. Wie auch immer, es passt zu Trump.

~Hier war der Ostflügel des Weissen Hauses: Kein Deep Fake.~

 Der Ballsaal soll 300 Millionen Dollar kosten. Alles aus Spenden finanziert, wie Trump sagt. Angeblich von Amazon, Apple und Google und vom Rüstungskonzern Lockheed Martin. Der Ostflügel ist schon einmal abgerissen und Touristen können eine Trümmerfläche bewundern. Dort befanden sich traditionell die Büros der First Lady. Ob da wohl der Haussegen schief hängt? Der rund 8400 Quadratmeter grosse neue Ballsaal sei notwendig, um Veranstaltungen auszurichten, die derzeit in einem Zelt stattfinden würden. Man stelle sich einmal vor, das halbe Bundeshaus in Bern würde durch einen einzelnen Bundesrat abgerissen werden. Obwohl, bei gewissen Anlässen scheint das mit viel Gold renovierte Amtszimmer des Präsidenten doch etwas beengt. Etwa wenn Trump und Konsorten Bittsteller wie Selenski in die Mangel nehmen. Am Rande sei noch erwähnt, dass neuerdings verschiedene Modelle von Triumphbögen in Trumps Büro herumliegen. Alles für Washington. Auf Anfrage eines Journalisten hat sich Trump bereits für den grössten entschieden. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung.

~Unentwegt für den Ruhm: Triumphbogen für die Hauptstadt.~

Normalerweise ist das, was uns von Unrat befreit, die Müllabfuhr, von geringem Interesse. In einer gut organisierten Gesellschaft erledigen sich diese Probleme anscheinend wie von selbst. Nicht so wie in Ländern, in denen oft gestreikt wird. Oder in Problem- oder sogar Krisengebieten.

Und, wer spricht eigentlich gerne von Müll? In Schaffhausen gibt es die normale Müllabfuhr für die Haushalte. Und die sogenannte Grünabfuhr für das Grünzeug von den Gärten oder den Balkonen. Eben alles, war weitestgehend grün ist und separat entsorgt wird. Nun hat die Entsorgung Stadt Schaffhausen neuerdings drei Fahrzeuge, die elektrisch betrieben werden. Auch die städtischen Busse fahren ohne den die Luft verpesteten Sprit. Aber das mit den Müllfahrzeugen ist neu. Und die Fahrzeuge sind bunt gestaltet und mit flotten Sprüchen beschriftet. Das traut man einer grauen Behörde eigentlich nicht zu.

Aber das Tiefbau- und Entsorgungsamt Schaffhausen unter dem Abteilungsleiter Abfallentsorgung Marco Meister ist da anders. Dieses kleine Team hat entweder sehr viel Humor oder ist überdurchschnittlich professionell. Wahrscheinlich beides.

~Ein elektrisch betriebenes Müllfahrzeug: Die Umwelt wird’s danken.~

Mit einem Kurzsprint habe ich neulich eines der schnellen Müllfahrzeuge gestellt und fotografiert. Es fährt so leise, dass man es kaum hört. Und es ist blitzsauber gestaltet. Neben dem Schaffhauser Bock, dem Wahrzeichen der Stadt in Gelb und Schwarz, steht da „Ohni Moscht, defür mit Pfuus fahred mir vo Huus zu Huus“. Was soviel heißt wie „Ohne Benzin, dafür mit Energie, fahren wir von Haus zu Haus.“ Dann gibt es „Mir lönd Schaffhuuse länger pfuuse.“ Was leichter ist ohne den Dieselmotorenlärm. Und „Vom Munot bis uf Hemmetal elektrisch sammle isch genial. Da wird die Geographie angesprochen. Der Munot liegt im Ortszentrum und Hemmental ist eine Aussengemeine. Ich bin mir sicher, den Machern wäre noch mehr eingefallen. Mich freut der umweltfreundliche Kreativschub und viele andere auch.

Im Grunde genommen ist das Wetter gegenwärtig zu dröge für einen normalen Artikel. Es sind keine Impulse da. Auch raubt mir das unendliche Leid in der Ukraine und in Palästina die Motivation, mich mit Irdischem zu beschäftigen. Also flüchte ich.

Im All herrschen in der Regel um die 270 Grad minus. Es ist also kuschelig angenehm. Will man es kühler haben, gibt es den 5000 Lichtjahre entfernten Boomerang Nebel. Dort gibt es Temperaturen von -272,15 Grad. Es ist die kälteste entdeckte natürliche Temperatur.

~Unsere heimische Milchstraße: Sie enthält neben unserer Sonne etwa weitere 200 Milliarden Sterne.~

Aber nicht nur die Temperatur macht den Weltraum für uns interessant. Im Trubel des alltäglichen Geschehens vergessen wir bisweilen, wie unwichtig wir sind. Wenden wir uns dem Zeitlosen, Wichtigem zu.

Unser bekanntes Universum, also die Gesamtheit von Raum, Zeit, Materie und die Energie darin, entstand mit dem Urknall, dem Big Bang, vor etwa 13,8 Milliarden Jahren. Dabei entwickelte sich aus der Singularität, einem unendlich winzigen und sehr heißen Punkt, Raum und Zeit und in der Folge alles was es gibt.

Es ist schwer sich vorzustellen, dass aus dem scheinbaren Nichts etwas wurde. Aber so ist es.

~Andromeda: Die nächstgelegene Galaxie die mit uns im Verbund reist.~

Der Abstand von der Erde zur Sonne beträgt rund 150.000.000 Km. Das sind 8,3 Lichtminuten. In unserer heimischen Galaxie, der Milchstraße, und darüber hinaus werden Entfernungen praktischerweise in Lichtjahren gemessen. Das ist die Zeit, die das Licht braucht, um eine gewisse Entfernung zurückzulegen. Alpha Centauri, der Stern, der unserer Sonne am Nächsten steht, ist ganze 4,2 Lichtjahre entfernt. Die Andromedagalaxie, kurz als M31 bezeichnet, ist mit rund 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung unsere nächste Galaxie.

~HD1: Die von uns mit 13,5 Milliarden Lichtjahren entfernteste bisher entdeckte Galaxie.~

Auf Grundlage sehr lang belichteter Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble haben Forschende abgeschätzt, dass es im gesamten sichtbaren Universum etwa 200 Milliarden Galaxien gibt. Sie merken, diese Aussage ist sehr vage, aber auch gigantisch. Mittlerweilen gibt es Wissenschaftler die darüber spekulieren, dass unser Universum nicht das einzige ist. Sie sprechen dann von Multiversen.

Aber bleiben wir doch bei Einfacherem. Der sympathische Physiker Albert Einstein, der mit seiner Entwicklung der Allgemeinen Relativitätstheorie viel zum Verständnis komplizierter Vorgänge getan hat, meinte noch 1917, dass das Universum statisch wäre. Mittlerweilen gilt es durch Messungen als gesichert, dass das Universum expandiert. Galaxien streben auseinander. Irgendwann nach unserer Zeit wird der Nachthimmel sehr dunkel.

Die bisher entdeckte fernste und älteste Galaxie ist HD1, 13,5 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt. Älteste bedeutet, dass sie nur etwa 330 Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden ist. Weiter in die Entfernung und in die Zeit zurück können unsere Instrumente nicht sehen. Falls Sie noch nicht darüber nachgedacht haben: Ein Lichtjahr bedeutet natürlich auch, dass es ein Objekt, dass Sie jetzt sehen, so nicht mehr existiert. Zeit ist während der Lichtreise vergangen.

~Das Hubble-Weltraumteleskop: Es wurde 1990 in Dienst gestellt. Ein Fehler im Hauptspiegel verzerrte die Bildqualität und es musste im Weltall gewartet werden.~

Neben vielen erdgestützten Beobachtungsinstrumenten gibt es seit 1993 das im Orbit korrekt arbeitende Hubble Space Teleskop. Nach 30 Betriebsjahren hat es langsam ausgedient. Nachfolger ist jetzt schon das James-Webb-Weltraumteleskop. Es ist hochkompliziert, temperaturempfindlich und gewisse Bauteile werden durch Abschirmsegel dauerhaft auf unter minus 223 Grad gehalten. Es ist für Infrarotastronomieausgelegt und soll die ersten leuchtenden Objekte nach dem Urknall aufspüren, der Verbesserung des Verständnisses der Strukturbildung im Universum dienen, Galaxien und Schwarze Löcher aufspüren, Exoplaneten auf etwaige Eignung für Leben untersuchen. Ein weites Feld mit hoffentlich vielen zukünftigen Ergebnissen.

~Das James-Web-Weltraumteleskop: Es startete 2022 und unsere illustrierte Darstellung zeigt wie kompliziert es ist.~

Über etwas haben wir noch gar nicht gesprochen: Es ist die so genannte „Dunkle Materie“, aus der das Universum wahrscheinlich zu 85 Prozent besteht. Wir sehen sie nicht und ihr wird eine wichtige Rolle bei der Strukturbildung im Universum zugeschrieben. Wir sehen also nicht einmal ein Bruchteil dessen, was wichtig wäre. Und noch nicht genug, auch die „Dunkle Energie“ ist uns völlig unbekannt.

Trotzdem lohnt sich die Beschäftigung mit nicht Alltäglichem und auf jeden Fall ein Blick in den Sternenhimmel.

~Das Kloster Einsiedeln: Bühne für das Welttheater.~

Das große Welttheater (El gran teatro del mundo) ist ein Mysterienspiel des spanischen Dichters und Hofdramatikers Pedro Calderón de la Barca. Es wurde erstmals 1655 publiziert. Ab 1924 wird es in unregelmäßigen Abständen im Zentralschweizer Wallfahrtsort Einsiedeln von der Welttheater-Gesellschaft als Freilichtspiel auf dem dortigen Klosterplatz aufgeführt. Das Besondere an der Inszenierung ist, dass sie hauptsächlich von über 220 Laien aufgeführt wird. Ergänzt werden sie durch 280 weitere Mitwirkend wie Musiker, Bühnenleute, Platzanweiser etc.

~Viele freiwillige Helfer über die ganze Saison: Der Staff.~

~Die Rückseite der Besuchertribüne: Fotos der Laiendarsteller.~

Zum Inhalt des Stückes von Calderón hier ein Auszug aus Wikipedia: „Thema des Stückes ist das menschliche Leben, das als ein Theaterstück dargestellt wird. Zu Beginn tritt der Schöpfer auf, der gleichsam als Autor des kommenden Theaterstückes die verschiedenen Rollen verteilt. Die Figur Welt beauftragt er, das Stück ins Werk zu setzen. Jede Rolle repräsentiert einen bestimmten Aspekt des Lebens: der König, die Weisheit, die Schönheit, der Reiche, der Bauer, der Arme, ein ungetauftes verstorbenes Kind(als Verkörperung der Erbsünde). Die Akteure erhalten, was sie für das Spiel ihrer Rolle brauchen. Unterstützt und gemahnt werden sie durch das Gesetz der Gnade. Bühne wird dabei die Welt, die ein Tor für den Auftritt (die Wiege) und ein Tor für den Abgang (das Grab) hat. Nun realisiert jeder Schauspieler seine Rolle in der Welt und jeder reagiert so, wie es seine sozialen und moralischen Lebensumstände bedingen. So tritt im Laufe des Stückes der Arme auf, der die anderen um Almosen bittet; doch der Reiche verwehrt sie ihm. Am Ende des Stückes müssen die Akteure das, was sie für die Ausführung ihrer Rolle bekommen haben, wieder abgeben – nackt, wie sie auf die Bühne gekommen sind, müssen sie wieder abtreten.“

~Der Bühnenaufbau: Musiker in der Pause.~

~Die wehrhafte Prinzessin: Frei zugängliches Foto aus dem Prospekt.~

Zu Zeiten Calderóns wurde das Stück sehr barock aufgeführt. Es gestaltete sich zu einem Fest, bei dem alle Register der Inszenierung gezogen wurden. Der Schweizer Schriftsteller und Bühnenautor Lukas Bärfuss, der angefragt wurde, den Text neu zu gestalten, weigerte sich erst mehrfach. Wenn man das bisherige Leben von Bärfuss betrachtet, versteht man es. Er gilt als ganz und gar unangepasst. Seine Jugend passt gar nicht zu Einsiedeln. Nach der Primarschule war er in kurzer Folge Tabakbauer, Eisenleger, Gabelstapelfahrer und Gärtner. Zwischen seinem 16. und 20. Lebensjahr war er mehrfach obdachlos. Also keiner der die Tradition in Einsiedeln fortsetzen wollte oder konnte. Trotzdem war seine letztendliche Zusage zur Mitwirkung ein Glücksfall. Mit dem Regisseur Livio Andreina und den andern Mitwirkenden des Teams wie der Ausstatterin AnnaMaria Glaudemans, der Dramaturgin Judith Gerstenberg und dem Choreograf Graham Smith verstand Bärfuss sich hervorragend.

~Der furchtbare Drachen: Frei zugängliches Foto aus dem Prospekt.~

Die Inszenierung von Lukas Bärfuss, Autor, und Livio Andreina, Regisseur, unterscheidet sich von früheren logischerweise erheblich. Alle Figuren von Calderón sind noch da oder wieder da, in ihrer Bedeutung aber mehr oder weniger wichtig. Neu ist ein kurzer Einstieg. Ein Lieferwagen fährt vor das Klosterportal. Auf der Ladefläche ist eine große Kiste. Zwei Gesellen wollen die Kiste herunter zum Marienbrunnen befördern. Der Brunnen ist Bestandteil der vorhandenen Architektur und nun der Bühne. Sie entgleitet und purzelt die Treppenstufen herunter. Für das Stück selbst hat diese Szene anscheinend keine Bedeutung. Nun setzen Glockenschläge ein. In der Klostertüre erscheint ein Mann. Es ist der Autor. Er sagt die Vorstellung ab. Kein Welttheater. Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, kommen singend herbei. Der Autor scheucht sie weg. Kein Welttheater. Aber die Kinder setzen sich durch. Das Spiel beginnt. Das Mädchen wird man später in verschiedenen Altersstufen sehen. Als junge Frau, als Königin, als Greisin. Jede Figur versucht seine Rolle in der Welt zu spielen. Besonders schön ist der Schluss mit dem Grab, einem Sarg der in Boden ist. Im Begleitheft wurde nämlich ein Taubenzüchter im Produktionsteam aufgeführt. Und tatsächlich steigen aus dem geöffneten Sarg ein Rudel Tauben, die um die Klostertürme eine Pirouette drehen und noch etwas in der Luft schweben. Es wäre schwierig, hier die ganze Inszenierung nachzuerzählen. Was begeistert hat war das Engagement und die Professionalität dar Darsteller, allesamt Laien. Die präzise und fantasievolle Inszenierung. Die musikalische Begleitung, auch die E-Gitarre. Der Chor. Und zu Schluss die wahrhaft schöne Kulisse, der Klosterbau. Übrigens: Die beiden Gesellen vom Anfang zaubern einen Mond aus der Kiste, die über der Schlussszene steht.

~Die Tauben zu Schluss: Frei zugängliches Foto aus dem Prospekt.~

Einsiedeln hat wieder ein großartiges Welttheater. Alle Vorstellungen waren ausverkauft und es gab jedes Mal einen tosenden Applaus. Übrigens: Während der Aufführung durfte nicht fotografiert werden. Deshalb die Fotos als Reproduktion aus dem Prospekt.

In Nachbars Garten steht so lange ich denken kann ein Apfelbaum. Er ist vermutlich mindestens 80 Jahre alt. Also sehr alt. Mein Nachbar sagte immer, dass der Baum ihn wahrscheinlich nicht überleben wird. Als mein Nachbar noch jünger war pflegte er ihn bis in die Baumspitzen. Er stand auf einer langen Leiter und war vermutlich so hoch wie ich auf meinem Balkon. Ich rief dann immer: “Markus, pass auf, dass du nicht runterfällst“ um mich sofort danach zu schämen, ein Unglück beschworen zu haben. Markus ist nie heruntergefallen und pflegte bei schönem Wetter immer mit einen Glas Rotwein am Tisch unter dem Baum zu sitzen. Ich hatte oft das Vergnügen ihm dabei Gesellschaft zu leisten und ab und zu fiel ein reifer Apfel auf meine Birne.

~Die letzte Blüte: Rechts normal, links beginnt die Todeszone.~

Nun ist Markus verstorben und der Baum steht immer noch. Aber er, der Baum, hat eigentlich keine große Lust mehr. Ich weiß nicht ob das in Solidarität zu Markus ist. Auf jeden Fall brechen ihm bei Sturm große Äste weg. Dieses Jahr ist es noch schlimmer geworden. Die beiden Raben, die oft in seiner Krone sitzen, fangen an die Rinde vom Stammholz abzuschälen. Von der Oberseite der Äste her. Da ich es in der Brutzeit erstmals bemerkte dachte ich, sie beschaffen sich Baumaterial für ihr Nest. Mittlerweile geht die Betätigung aber weiter und ich vermute nun, dass sie Insekten unter der Rinde wegpicken. Leckeres Eiweiß und so.

~Abgenagte Äste: Fressplatz für Raben.~

Dieses Frühjahr bemerkte ich zum ersten Mal etwas Merkwürdiges. In der Blütezeit blühte der Baum auf der einen Seite ganz normal, während er auf der anderen Seite vor sich wegstarb. Das sah ungewohnt, wenn nicht sogar sensationell aus. Man verzeihe mir diesen Ausdruck. Ich habe versucht, das Ganze in einem Ausschnitt zu fotografieren. Sie wissen, links Leben, rechts Tod. Es war etwas schwierig, ein sauberes Bild zu machen, weil die freie Sicht eingeschränkt war. Aber ich hoffe man begreift es.

~Das Mühsal des Alters: Moos überwuchert die Äste.~

Nun sind schon wieder einige Wochen vergangen und die Baumrinde fällt ohne weiteres Dazutun auf den Boden. Auch Moos überwuchert die Äste. Moose sind eigentlich überall zu finden. Sie erobern sich Schutzräume. Und das seit 350 Millionen Jahren. Als Gattung im Überlebenskampf erprobt. Eine Moosart, die etwa 1500 Jahre eingefroren unter arktischem Eis lag, konnte wieder zum Keimen gebracht werden. Wer den Kampf ums Überleben gewinnen würde ist also klar.

Mittlerweile ist der Baum gefällt, entsorgt worden und an der Stelle ist nun Wiese angepflanzt worden. Ich werde diesen Baum nun nicht mehr über die Jahreszeiten beobachten können. Schade.

Notizen aus der Werbung

April 11, 2024

Ab und zu berichte ich hier über Produkte aus der Werbebranche. Selten, weil es nicht von allgemeinem Interesse ist und weil ich vieles, was produziert wird, für dämlich halte. Aber manchmal juckt es mich, bei, wie ich finde, gelungenen Beispielen. So aktuell bei einem Werbespot für die Baumarktkette Hornbach. Ich bin mir sicher, dass dieser Spot ein löbliches Beispiel für gute Werbung ist und dass der Art Directors Club für Deutschland es mit einer Prämierung bestätigen wird.

~Der Kokon: Wiederholt sich wie jedes Jahr das Wunder der Natur?~

Hornbach wird seit über 23 Jahren von der Agentur „Heimat“ aus Berlin werblich betreut. Nicht nur der Name der Agentur ist ungewöhnlich – der Begriff „Heimat“ ist ja bei vielen unnötig in Verruf geraten – auch die Dauer der durchgängig werblichen Betreuung ist außergewöhnlich selten. Aber das hat sich der Agenturchef und Gründer Guido Heffels redlich verdient.

~Eine schleimige Angelegenheit: Ein Mann schlüpft aus dem Kokon.~

Der Spot, zu dem ich gleich komme, ist ziemlich verrückt. Er bewirbt mit einer ungewöhnlichen Idee die Marke. Nur die Marke. Das ist bei einem Auftraggeber dieser Art, einem Kunden mit tausenden Artikeln, auch der einzig richtige Weg. Um Gartenerde als Einzelprodukt zu bewerben braucht man keine Werbeagentur. Zudem sind Produkte in Baumärkten meist austauschbar. Es geht also nur um Aufmerksamkeit und Image.

~Oh Freude: Hurtig gesellt er sich zu einer Gruppe von werkelnden Menschen.~

Mit dem Text „Jedes Frühjahr ein neuer Anfang“ zeigt Hornbach ein von einem Baum hängenden großen Kokon. Aber aus dem schleimigen Innern schlüpft keine Raupe die sich zu einem zarten Schmetterling entwickelt, sondern ein Mensch, der mit einem Plumps auf die Erde fällt. Benommen richtet er sich auf und wankt zu einer Gruppe von Menschen, die in einer Lichtung mit Gartenarbeiten und Handwerkarbeiten beschäftigt sind. Eine bezaubernde Musik setzt ein und die Menschengruppe heißt den Neuling herzlich willkommen. Es ist eben das Wunder der Natur, dass sich jedes Frühjahr wiederholt.

~Der Pakshot: Jedes Frühjahr ein neuer Anfang.~

Die Agentur hat schon zum zweiten Mal mit dem schwedischen Regiekollektiv „Traktor“ zusammengearbeitet. Um die Musik kümmerte sich „Machine London“. Zu dem Spot haben viele brave Kommentatoren verärgert reagiert. Er entspricht wohl nicht der deutschen Seele. Ich finde ihn, wie alles was Heimat über die vielen Jahre für Hornbach produziert hat, großartig. Eine kleine Kritik hätte ich: Der Spot wird zu oft gezeigt. Howard Luck Gossage, einer meiner Lieblingstexter aus dem Amerika der Sechziger Jahre, war der Ansicht, dass man gute Werbung nicht zu wiederholen braucht. Auf jeden Fall nicht bis zum Erbrechen.

Besser als jede Beschreibung ist der Film:

Wenn sie nicht mit Gedanken spielen, spielen sie mit Karten.“ So oder ähnlich sagte es der deutsche Philosoph Arthur Schoppenhauer griesgrämig über seine Landsleute, die Deutschen. In der Schweiz ist es anders. „Jassen“, also Kartenspielen, ist selbst bei Intellektuellen äußerst beliebt. Zumal wenn das erwirtschaftete Geld für einen guten Zweck gedacht ist.

~Der schwarze König: Das Veranstaltungsplakat.~

Hier ein kurzer Bericht über das 31. Roji Negro Solidaritätsjassen: Seit vielen Jahren treffen sich jeweils Anfang Februar Hunderte von Kulturschaffenden, Menschen mit sozialem Gewissen und Freunde, die allesamt auch Jassliebhaber sind, zum Kartenspiel für einen guten Zweck. Das beliebte Event findet in einem Raum des Veranstaltungsort „Kulturmarkt Zürich“ statt und wird organisiert vom Guatemalakomitee, Zentralamerikasekretariat. Veranstalter sind  Barbara Müller, Claudia Furrer, Edith Bitschnau, Eva Horvath, Steff Rohner und Beat Schmid.

~Ein Raum im Kulturmarkt Zürich: Emsige Ruhe.~

Die Teilnehmer spielen den „Schieber“, eine beliebte Jassart mit vier Personen an einem Tisch. Den Partner kann man sich nicht aussuchen, er wird zugelost. In dieser Formation werden 8 Spiele gespielt, dann wird neu gezogen. Insgesamt sind es 10 Runden à 8 Spiele. Der persönliche Erfolg hängt vom Partner ab. Man spielt immer zwei gegen zwei. Der Gesamteinsatz kostet jeweils 100 Franken pro Person.

~Zwischenverpflegung: Kraft für die Teilnehmer.~

Von dem erwirtschafteten Geld wird die teilweise sehr arme Landbevölkerung in Guatemala unterstützt. Es fließt in Gemeinden und Kooperativen. Die Bäuerinnen und Bauern leben von selbst angebauten Landwirtschaftsprodukten wie Mais, Bohnen, Tomaten und Kohl. Je nach Beschaffenheit der jeweiligen Erde. Überschüsse werden möglichst auf dem Markt verkauft.

~Preise: Der begehrte Früchtekorb.~

Das Leben ist hart. Es gibt keine gut ausgebauten Straßen, keinen minimalen Luxus und vor allem kein funktionierendes Gesundheitssystem. Als Covid 19 Das Land erfasste gab es kaum Information über diese neuartige Epidemie. Diese kursierten nur über die wenigen Mobiltelefone und über mündlich übertragene Gerüchte. Roji Negro sorgte für Prävention und Information, für die Produktion von Seife und die Herstellung von Masken, stellte Nahrungsmittelpakete (Salz, Öl, Mehl, Zucker etc.) und fiebersenkende Medikamente zur Verfügung und sorgte für Transportmöglichkeiten in Notfällen. Und wichtig wie immer stellte sie Saatgut zur Verfügung.

~Wichtig: Ein Auszug aus den Jassregeln.~

Wenn man nun sieht, welche negative Wellen die Nachricht von einem von der Deutschen Regierung finanzierten Radweg in Peru vor allem durch unsägliche Oppositionspolitiker wie dem notorisch vergesslichen Hubert Aiwanger durch falsche Zahlen produziert, muss man für jede Privatinitiative dankbar sein. Sie erzeugt kein Neid. Das Solidaritätsjassen ist aber auch deswegen beliebt, weil es wie ein Familientreff ist. Man sieht sich jedes Jahr und es gibt eine bescheidene Verpflegung durch Sponsoren. Außerdem warten für jeden Teilnehmer Preise. Abgestuft durch seinen Erfolg oder Rang. Ebenfalls gesponsert. Äußerst beliebt sind die prächtigen Früchtekörbe. Aber auch ein ordentliches Stück Speck am Stück ist begehrenswert. Trost gibt dann auch ein Blumengutschein. Wie kann man die Zeit am Samstagnachmittag zwischen 13 und 20 Uhr sinnvoller verbringen als mit Jassen für einen guten Zweck?

~Es gibt verschiedene Bethlehems auf unserem Erdball. Eines liegt bei Steckborn.~

Das Bethlehem, von dem hier die Rede ist, liegt nicht im Westjordanland und ist auch nicht die hebräische Stadt des Brotes. Nein, nein. Es ist eines von vermutlich vielen Bethlehems auf unserem schönen Planeten. Genauer gesagt ist dieses Bethlehem ein kleines Fleckchen, sechs Straßenkilometer südlich vom reizenden Städtchen Steckborn am Untersee. Und noch genauer gesagt ist es eine kleine, immergrüne Kuhle beim aufregenden Dörfchen Unter-Hörstetten gegen das Thurtal hin. Und die Thur ist der Fluss, der dem Thurgau den Namen gab. Ich bin mir sicher, der Name „Bethlehem“ ist von Engeln verliehen oder zumindest von einem aufrechten Bauern ersonnen worden. Oder von der Bäuerin.

~Das weihnachtliche Bethlehem auf dem Seerücken am Untersee.~

Bethlehem ist etwas ganz Besonderes, denn da sagen sich Füchse und Hasen guten Tag. Aber nur, wenn sich der zärtliche Nebel vom Thurtal her lichtet. Tagsüber wärmt die fahle Wintersonne die fröstelnden Grashalme am Waldesrand und die Spatzen pfeifen auf den Kanalisationsdeckeln. Störche mit zerzausten Federn fliegen bisweilen zu den brachen Stoppelfeldern und die Katzenaugen putzen sich munter am Wegesrand. Gegen Abend geht die Sonne rechtschaffen unter und wenn es Nacht wird, erscheint ein übers andere Mal ein Komet am Firmament. So oft, dass es schon gar nicht mehr wahr ist. Diodor von Sizilien und Pythagoras von Samos sind ratlos. Kurz, Bethlehem ist ein Zauberort. Gerade in der winterlichen Zeit.

~Auch wenn es kein extra Strassenschild gibt, der Weiler heisst tatsächlich Bethlehem.~

Werden Balthasar, Melchior und Caspar es rechtzeitig zum Punsch schaffen? Werden Herodes und seine Häscher vom GPS verarscht werden? Gibt es Pulverschnee zu Weihnachten? Das alles bewegt die Menschen in Bethlehem. Die Vorplätze sind auf jeden Fall gefegt, das Heu in der Scheune und der Hofhund angekettet. Vater Joseph holt den Selbstgebrannten hervor und Mutter Maria stellt die „Chräbeli“ aus der schönen Blechdose bereit. Die Micky-Maus-Uhr im Kinderzimmer tickt erwartungsvoll. Es wird Weihnachten.

~Der Hof ist auf jeden Fall blitzblank gekehrt.~

Na dann Servus und fröhliches Fest.

P.S. Treue Leser werden es merken. Diesen Artikel habe ich schon mal gepostet. Aber es wollte mir zu Weihnachten partout nichts anderes einfallen.

~Exakt da wo der rote Punkt ist liegt Bethlehem~

In der Historie war Ermatingen ein Fischer- und Rebbaudorf. Es liegt idyllisch auf einer Landzunge auf der schweizerischen Seite des Untersees, der ein Teil des Bodensees ist. Etwa gegenüber der deutschen Insel Reichenau. Wie gesagt war der Fischfang wichtig; ein großer Teil der Bevölkerung war Fischer.

~Die historische Gangfischerei: Gemeinsame Arbeit mit Netzen.~

Etwas vom Fischerdorf ist geblieben. Es gibt noch Berufsfischer, was selten am Untersee ist, und eine Fischaufzucht. Auch geblieben ist die Groppenfasnacht. Ein Karneval benannt nach der Groppe, einem kleinen Fisch der hauptsächlich im Untersee vorkommt. Bei der Recherche zu diesem Artikel habe ich auch Fotos zu der Gangfischerei gefunden. Diese gemeinsam betriebene Fischerei mit Netzen nach dem Gangfisch, einem nahen Verwandten des Felchens benannt, fand früher im Winter statt. Der Gangfisch, vor allem die Weibchen, wurden dann geräuchert und galten als Delikatesse.

~Der Seegarten: Ein schön renoviertes Haus.~

~Der Hof bei der Scheune: Fröhliches Beisammensein.~

Kurios ist die Herkunft des Begriffs „Gangfisch“. Der Konstanzer Bischof Gebhard wurde mit seinem kleinen Schiff auf dem Untersee einmal von einem so großen Fischschwarm umringt, dass er nicht mehr weiterfahren konnte. Er soll dann gerufen haben „gang Fisch“, was soviel wie „geh Fisch“ bedeutet. Die Fische hätten dann das Boot freigegeben. So unglaublich das klingt, soviel Fische gibt es heute nicht mehr.

~Felchenfilets: Etwas paniert mit Salzkartoffeln und Spinat.~

Einst gab es in Ermatingen über 30 Restaurants auf kleiner Fläche. Heute findet man mit Mühe eines, dass dann auch noch Fisch anbietet. Das Lob gilt dem Ehepaar Luzia und Rolf Graf Meier, die den stillgelegten Seegarten kauften und das Lokal mit der Chefköchin Myrtha Graf 2011 aus dem Dornröschenschlaf weckten. Die beiden Schwestern sind Rückkehrer und walteten vorher in einem Lokal beim Campingplatz, das der Klinik Schloss Mammern gehörte. Rolf Meier ist Berufsfischer und betreibt auch eine Fischräucherei.

~Ein kleiner Hecht: Wie oben pur mit etwas Beilage. Selbstgemachte Mayonnaise separat.~

Der Seegarten besteht aus einem schönen „Stübli“, der „Schüür“ (Scheune) und vor allem der Gartenwirtschaft. Der Fisch ist fangfrisch aus dem See. Gefischt wird nach traditionellen Fangmethoden auf nachhaltige Art. Felchen und Aal werden von Rolf Meier auch geräuchert. Das Fleisch kommt aus der Schweiz aus tiergerechter Haltung. Gemüse, Kräuter und Früchte stammen von Thurgauer Bauern oder aus dem elterlichen Garten. Das Mehl kommt aus der Mühle Lamperswil. Sie verarbeitet regionales Getreide zu Mehl ohne jegliche Zusatzstoffe.

~Räucherei: Köstliches zum Mitnehmen.~

Ich war im Sommer da, auf der Terrasse. Man sitzt ausgesprochen gut, wie man in der Schweiz sagt. Interessant ist auch, dass ein Radwanderweg direkt am Haus vorbeiführt.

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