Frühling

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Wir wollen wie der Mondenschein
die stille Frühlingsnacht durchwachen,
wir wollen wie zwei Kinder sein,
du hüllst mich in dein Leben ein
und lehrst mich so, wie du, zu lachen.

Ich sehnte mich nach Mutterlieb‘
und Vaterwort und Frühlingsspielen,
den Fluch, der mich durch’s Leben trieb,
begann ich, da er bei mir blieb,
wie einen treuen Freund zu lieben.

Nun blühn die Bäume seidenfein
und Liebe duftet von den Zweigen.
Du mußt mir Mutter und Vater sein
und Frühlingsspiel und Schätzelein
– – – und ganz mein Eigen …

Else Lasker-Schüler (1869-1945)

Seid gut zueinander

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Seid gut zueinander! Ist’s denn so schwer,
dem andren ein liebes Wort zu sagen,
ein wenig seine Bürde mitzutragen –
ist es in euren Herzen schon so leer?

Wir sind in unsrem Elend alle gleich,
wenn wir erst einmal dieses Tal durchwandern,
und der allein ist glücklich noch und reich,
dem Güte blüht und Liebe für den andern,

der gern von seinem Brot ein Stückchen bricht,
wenn seines Nachbarn Augen darum flehen,
und der die Stütze ihm verweigert nicht,
wenn er zu müde ist, allein zu gehen.

Seid zueinander gut in Wort und Tat!
Sonst schlägt uns diese Zeit zu tiefe Wunden.
Und jeder sei euch Freund und Kamerad,
durch gleiches Schicksal uns verbunden.

Ilse Weber (1903 -1944)

Die Hände

pexels-photo-460295Die Hände

Eine stille große Güte
wacht nun zärtlich um mein Leben.
zweier Hände weiße Blüte
fühl ich durch mein Dunkel schweben.

Meine Seele klingt von Lachen
doch sie wagt sich kaum zu rühren,
denn sie fürchtet, ein Erwachen
könnte ihren Traum entführen.

Und sie läßt die schlanken Hände
wortlos zu sich niederneigen,
aber wundersame Spende
wacht und wartet in dem Schweigen.

Denn im Schweigen dämmern Reime,
die sich sacht zu Versen bauen,
und aus halberschloßnem Keime
hebt sich leuchtend das Vertrauen,

Dieses selige Erleben
als ein Lied den schmalen, weichen
Händen, die es mir gegeben,
tiefbeseligt darzureichen.

Stefan Zweig

♥♥♥♥♥

Es kommt der Abend…

Es kommt der Abend

Es kommt der Abend und ich tauche in die Sterne,
dass ich den Weg zur Heimat im Gemüte nicht verlerne
umflorte sich auch längst mein armes Land.

Es ruhen unsere Herzen liebverwandt,
gepaart in einer Schale:
Weiße Mandelkerne –

Else Lasker-Schüler
aus: mein blaues Klavier

Hallo Ihr Lieben!

Nun bin ich nach langer Zeit mal wieder hier und

ich weiß nicht wie lange ich hier sein kann.

Antworten fällt schwer. Bitte um Nachsicht.

Ich freue mich riesig.

Herzlichst und mit ganz vielen Umarmungen.

Elke

Nicht wahr?

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Nicht wahr? Vom Zwang boshafter Toren frei,
die uns gewiss um unser Glück beneiden,
lass oft uns stolz sein, doch stets mild dabei.

Nicht wahr? Wir wandeln heiter und bescheiden
den Pfad, den uns die Hoffnung lächelnd zeigt,
gleichviel, ob man uns sehn mag oder meiden.

Einsam im Lieben, wie im Wald, der schweigt,
sei’n unsre Herzen wie zwei Nachtigallen,
die zärtlich singen, wann der Tag sich neigt.

Und was die Welt sagt, ob wir ihr gefallen,
ob sie uns zürnt, gleichviel! Da ihre Hand
ja schmeichelt oder Wunden schlägt uns allen.

Uns eint das teuerste und stärkste Band,
froh lächelnd, dass zu nichts der Mut uns fehle.
Denn uns bewehrt ein Schwert aus Diamant.

Und unbekümmert, welchen Weg uns wähle
das Los, lass gleichen Schrittes immerdar
uns Hand in Hand gehn, mit der Kinderseele

der Brust, die nichts als Liebe fühlt, nicht wahr?

Paul Verlaine

♥♥♥♥♥

 

Unsere Zimmer…

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Unsere Zimmer haben blaue Wände,
und wir wandeln leise hin durch Himmelweiten,
und am Abend legen Innigkeiten
mit Engelaugen ineinander unsere Hände.

Und wir erzählen uns Geschichten,
bis der Morgen kommt in Silberglocken
und dem Dämmersteine in den Locken,
der Sonne winkt durchs Tor von Wolkenschichten;

und wie sie tanzt auf unseren wiesenhellen
Teppichen, leicht über sanftverschlungene Blumenstiele!
Zum Liebeslauschen laden unsere Stühle,
und von den Pfeilern fallen Seidenquellen.

Else Lasker-Schüler (1869-1945)

♥♥♥♥♥

 

 

 

 

Sinkender Himmel

 

pexels-photo-433155Sinkender Himmel

Du Herz, das immer die Sterne begehrte,
für jeden Wunsch verschenkt sich ein Traum.
Sieh, schon neigt sich der abendverklärte
Himmel zu dir, und du faßt es kaum.

Neigt sich und neigt sich. Und in sein Sinken
hebt die Erde verschreckt ihr Gesicht,
und wie mit purpurnen Lippen trinken
die Höhen das letzte löschende Licht.

Alle Bäume schon müssen ihn fühlen,
steil greift ihr Schmerz in den Abend empor,
und mit den zitternden Armen wühlen
sie sich in den samtenen Sternenflor.

Und tiefer rauschen die Wolkenfernen.
Schon streifen sie dich, wie ein Kuß, wie ein Kleid,
und wiegen nun sanft mit den silbernen Sternen
dein Herz in die nahe Unendlichkeit.

Stefan Zweig (1881 – 1942)

♥♥♥♥♥

Ewigkeiten

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EWIGKEITEN

So beginnen EWIGKEITEN — —

Wenn von herbstdurchbebten Bäumen
still die Blätter niedergleiten,
wenn in blauen Sehnsuchtsweiten
eines Vogels Lied verweht — —
Wenn ich tief in deinen Augen
deine reine Seele grüße
und wir dann im Sonnensinken
wortlos betend heimwärts schreiten — —

So beginnen EWIGKEITEN. —

Bruno Ertler (1889-1927)

♥♥♥♥♥♥♥

 

Herbst

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Herbst

Nun kommen die letzten klaren Tage
einer müderen Sonne.
Bunttaumelnde Pracht,
Blatt bei Blatt.
So heimisch raschelt
der Fuß durchs Laub.
O du liebes, weitstilles Farbenlied!
Du zarte, umrißreine Wonne!
Komm!
Ein letztes Sonnenblickchen
wärmt unser Heim.
Da wollen wir sitzen,
still im Stillen,
und in die müden Abendfarben sehn.
Da wollen wir beieinander sitzen
in Herbstmonddämmer hinein
und leise
verlorene Worte plaudern.

Johannes Schlaf (1892 – 1941)

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Wie schön die Blätter älter werden.
Voller Licht und Farbe sind ihre letzten Tage.

John Burroughs (1837 – 1921)

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Des Sommers…

Herbstbild von Helmut

Des Sommers weiße Wolkengrüße
zieh’n stumm den Vogelschwärmen nach,
die letzte Beere gärt voll Süße,
zärtliches Wort liegt wieder brach.

Und Schatten folgt den langen Wegen
aus Bäumen, die das Licht verfärbt,
der Himmel wächst, in Wind und Regen
stirbt Laub, verdorrt und braun gegerbt.

Der Duft der Blume ist vergessen,
Frucht birgt und Sonne nun der Wein
und du trägst, was dir zugemessen,
geklärt in deinen Herbst hinein.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

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Es beginnen die Spätsommertage,
jene Tage, die man festhalten möchte,
und bei denen man nicht genau weiß,
wo der Sommer aufhört und der Herbst beginnt . . . “

aus einem Text von Kurt Tucholsky

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