Der mutmaßlich letzte Blogeintrag dieses Jahres. Nun sollte ich den Stapel Papiere sichten, ordnen, sinnvoll kategorisieren und einscannen. Stattdessen sitze ich hier und pflege den Konjunktiv, während ich darüber schreibe, was ich täte, wenn ich nicht schreiben würde. Das kann ich gut, so scheint es. Immer drumrum um die heiße Suppe.
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Heute? Mutter hat ein neues Smartphon. Nachdem sie Ewigkeiten mit einem ollen S7 rumgemacht hatte, spendierten wir ihr ein neues A17, Anfängerklasse für vergleichbar Kleines. Für meine 90jährige Mutter also genau richtig, die außer telefonieren und whatsappen inklusive Bilder bekommen und versenden eh nichts damit macht. Was für sie schon Herausforderung genug ist. Die Migration war gewohnt nervig, da musste recherchiert werden und Passwörter erneuert und so weiter. Ein 2-Stunden-Werk, ohne Mutter. Bin schon selbst genervt genug.
Neuerung: Bildschirmsperre, aufzulösen via Gesichtserkennung oder PIN. Beim Wort PIN verzog sie erst mal das Gesicht. Muss ich das jetzt jedes Mal … nein, Mutter. Wir richten dir eine Gesichtserkennung ein. HahNäh, dann lieber die PIN … nu setz dich mal da hin, ich stell mich hinter dich und dann guckste schön in das Loch da und tust, was auf dem Schirm steht. Ogottogott, Drama. Nu den Kopf heben. HEBEN, nicht senken, ja so. Nach dem fünften Anlauf war Mutters Antlitz endlich im Kasten. Hier, auf das kleine Schloss da musse gucken. Offen ist offen, dann nach links wischen und weiter wie gehabt. Wenn dein Gesicht mal nicht erkannt wird (Scheißlicht, Augen entzündet, Brille auf oder sonstwie ein schlechter Tag), dann hasse immer noch die PIN. Aha. Soweit, so gut, Ich mache mit ihrem neuen Phon noch ein Bild von ihr und schicke das einer ihrer üblichen Verdächtigen, die kurz drauf anrief, weil Mutter nicht pünktlich zum zocken erschien. Geht doch nix über einen geregelten Tagesablauf. Sie wird schon klar kommen, mit dem üblichen Gedöns.
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Was bewegt?
Tatsächlich Altersbeschwerden, man(n) glaubt es kaum. Schulterbeschwerden, irgend eine scheißhartnäckige Entzündung, die mich seit Monaten ärgert und leider nicht von allein verschwindet. Es knackt und knirscht dazu unterirdisch. Klingt nicht gut und fühlt sich schon gar nicht gut an. Ich recherchiere und bin nicht überrascht. Lass die drei Kippen am Abend weg, meide Zucker. Wusste ich vorher schon, fällt mir aber beinahe unmöglich, dank der Flut an diversen Zuckerbackwerk hier. ICH WILL ABER – dann leide still weiter, tönt es aus dem Universum. Darüber hinaus beschäftige ich mich seit einiger Zeit eingehend mit Neurobiologie, um zu verstehen, wie es überhaupt dazu kommt, dass Mensch zu solch chronische Entzündungen neigt, obgleich ich doch alles in allem recht gesund lebe. Die Ergebnisse gefallen mir nicht, stehen da doch so Sachen wie langandauernde Überforderung des Nervensystems und so weiter. Je tiefer ich grabe, um so unangenehmer wird es, gerade auch bein Einfluss des sozialen Umfelds auf alledem. Die Wechselwirkungen zwischen uns Menschen, destruktiv und konstruktiv, die Macht der Worte, fremde und eigene. Wenn ich irgendetwas verstanden habe, dann dass ich anfangen sollte, etwas liebevoller mit mir selbst umzugehen. Klingt ganz einfach, oder? Jemand empfiehlt – rede mit dir selbst, am besten nach dem aufstehen. Ok, die Katze guckt, als hätte ich nicht alle Latten am Zaun und so fühle ich mich auch. Was wiederum ein dümmliches Grinsen erzeugt, das so schräg ausschaut, dass ich tatsächlich lachen muss.
Geht doch, ein guter Anfang, finde ich.
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Wenn ich zurück schaue – dankbar bin ich für eine nicht mehr erhoffte Chance auf Begegnung. Der Kontakt entwickelte sich im Zuge der Hochzeit meines großen Kindes im Sommer. Der erste nach über 25 Jahren zu seiner großen Schwester. Es gleicht einem Wunder.
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So. Der Stapel wartet immer noch, ebenso die verdreckte Bude. Und morgen ist es vorbei mit 2025, wir bleiben hier und sehen 2 alte Freunde wieder. Was selten genug vorkommt, wir freuen uns drauf.
Kommt gut raus und wieder rein, in das Neue.
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