Bomba Viral: Ein Brettspiel für kritischen Dialog

In Bolivien verstärkt mediale Berichterstattung vielerorts politische Polarisierung und trägt zu einer gesellschaftlichen Spaltung bei. Allein im Zeittraum von Januar bis August 2025 hat Bolivia Verifica, eine gemeinnützige Fact-Checking-Organisation, über 440 Beiträge mit falschen oder irreführenden Informationen in Bezug auf die Wahlen identifiziert, die meisten von ihnen wurden über TikTok und Facebook verbreitet. Desinformation hat direkten Einfluss auf das Leben vieler Menschen, führt zu Misstrauen und verstärkt Hassrede und gesellschaftliche Spannungen.
Um dagegen vorzugehen, hat die Muy Waso Foundation, ein Partner der DW Akademie in Bolivien, Bomba Viral entwickelt, ein innovatives Brettspiel, das kritisches Denken, den Dialog zwischen verschiedenen Gesellschaftsbereichen und den Wissensaustausch fördert. Der spielerische Ansatz bringt Medienkompetenz (Englisch: Media and Information Literacy, kurz MIL) auch zu sozial benachteiligten Gesellschaftsgruppen.

Mijaíl Miranda Zapata ist strategischer und redaktioneller Leiter bei Muy Waso und hat die Entwicklung des Spielkonzepts begleitet – von den Spielmechanismen über die Ausführung bis hin zum strategischen Ziel des Spiels, die Medienkompetenz und digitalen Fähigkeiten der Spielenden zu fördern. Diese, so sagt er, seien grundlegend.
DW Akademie: Wie ist die Idee zu Bomba Viral entstanden?
Mijaíl Miranda Zapata: Wir haben vorab die Bereiche Kommunikation und Journalismus in Bolivien evaluiert und viele Medienschaffende und Aktivistinnen und Aktivisten haben berichtet, dass sie es herausfordernd finden, sich im digitalen Raum zu bewegen und traditionelle Trainings hier nicht weiterhelfen. Daher entschieden wir uns, ein Werkzeug zu entwickeln, das den Dialog in verschiedenen Kontexten stärkt, außerhalb eines formellen Rahmens.
Was unterscheidet Bomba Viral von anderen Brettspielen?
Bomba Viral hat nicht allein das Ziel, den Spielerinnen und Spielern etwas beizubringen, es beinhaltet außerdem Charaktere aus der bolivianischen Tierwelt, einige davon sind bedroht, und es bildet die geografische Diversität unseres Landes ab. Wir wollten einen persönlichen Bezug zu den Spielerinnen und Spielern und gleichzeitig ein Spiel mit Spaßfaktor schaffen. Außerdem brechen wir mit vielen Stereotypen, die Spielfiguren haben zum Beispiel keine klare Genderdefinition. Wir haben junge Künstlerinnen und Künstler in den Designprozess eingebunden, das Spiel profitiert von ihrem frischen Blick und ihrer Kreativität.

Wie waren die ersten Reaktionen?
Bisher haben über 300 Personen die Vollversion gespielt, wenn wir dazu unsere etwas kürzere Spieladaption zählen, haben insgesamt 700 Personen das Spiel schon ausprobiert. Für viele war es das erste Mal, dass sie sich mit Themen wie Desinformation oder Hassrede auseinandergesetzt haben, und obwohl es Themen sind, die sie in ihrem Alltag betreffen, haben sie sich selten kritisch damit beschäftigt. Das Spiel hat Räume für Dialog eröffnet und außerdem andere Kreative in Bolivien dazu inspiriert, Spiele mit Bildungsauftrag zu entwickeln.
Gab es seit dem Launch neue Erkenntnisse?
Ja, und eine der wichtigsten war die Reaktion des jungen Publikums. Obwohl das Spiel für Jugendliche ab 16 Jahren gedacht ist, zeigen auch Kinder und jüngere Teenager großes Interesse. Auf Märkten und Kulturveranstaltungen haben viele Eltern ihre Kinder ermutigt, die Spiele auszuprobieren.
Welche Rolle kann ein Spiel wie Bomba Viral in einem polarisierten gesellschaftlichen Umfeld spielen?
Das Spiel kann einen Dialog zu Themen beginnen, die eine Gesellschaft spalten. Zum Beispiel haben wir Bomba Viral an Orte gebracht, wo es bereits Spannungen gibt, wie zwischen Konservativen und LGBTQ+-Aktivistinnen und -Aktivisten, doch durch das Spiel haben sie Wege ins gemeinsame Gespräch gefunden und hatten eine Grundlage. Das ist in meinen Augen das Wertvollste, was solche Spiele anbieten können: Unterschiede ansprechen, ohne dabei direkt auf Konfrontationskurs zu gehen und ein gegenseitiges Verständnis auf unterhaltsame Art und Weise schaffen.
Die Muy Waso Foundation ist ein strategischer Partner der DW Akademie in Bolivien. Das gemeinsame Projekt wird unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.



