Schlagwort-Archive: Fickwörter

While you’re at it.

Blog 21

Ich schulde Raoul Antwort auf einen letztjährigen Kommentar, der da lautet:
20.12.2008: «Ich bin wohl etwas downer to earth als viele meiner Geschlechtsgenossen, und ich sage auch mal ‹Stecher› [was sagt man denn oben im Himmel?]. Letzthin habe ich den Ausdruck wieder vermehrt gebraucht und einige offenbar irritiert. Frage an die Expertin: wann darf ich den Ausdrucks ‹Stecher› verwenden, wann sollte ich ihn meiden?
XXX Raul»

Hurrah – ich bin auch eine Zeitschriftentante! Das gibt mir die Freiheit, etwas auszuholen.
Neulich hab ich nämlich im Men’s Health, meiner – nach den Nutrition-Facts von Kaugummis und Bergdoktor-Heftchen – drittgenehmsten Lektüre, Aufschluss gefunden. Es ging (ganz wie bei Dr. Thomas Burgner übrigens) um Timing, ein allzeit delikates Thema. Wann es Zeit ist, heimzugehen, hab ich bereits erörtert [https://danitonet.wordpress.com/2008/08/28/unter-des-kaiser-kleidern], wie auch, wann man mit Vögeln aufhören sollte [https://danitonet.wordpress.com/2008/12/11/endlich-mehr-leistung]. Die dramatischere Frage ist doch aber, wann man damit anfangen soll, denn letztendlich ist die Strichliste entscheidend ausschlaggebend. Quantität vor Qualität, maximale Erfahrungsvielfalt als zahlkräftigstes Element der Postmilleniumsgesellschaft.

Men’s Health sticht deshalb, einmal mehr, den Nagel ins richtige Loch:
«Wenn es einen Mann richtig erwischt hat [gibt’s das überhaupt?], ist er meistens ziemlich vorsichtig, was den ersten Sex mit seiner neuen Flamme angeht. Er will ihr ehrenhaft zeigen, dass es ihm nicht nur um das Eine geht [was schon im Ansatz gelogen ist]. Das ist im Prinzip lobenswert, kann aber schlimme Folgen haben.»

Achtung, jetzt wird’s reizvoll!
«Wer zu lange wartet, riskiert, aus der Sicht der Frau enteiert [sic!] zu werden, das bedeutet: Er entwickelt sich zu einem guten Kumpel und muss irgendwann zusehen, wie die Liebste mit einem anderen in die Kiste geht. Deswegen sollten ein erwachsener Mann und eine erwachsene Frau [man beachte die suspekte Verwendung des Zusatzes ‹erwachsen› in diesem Kontext!] nach dem dritten Date unbedingt Sex haben! Beim ersten Date ist es zu früh, es sei denn, beide wollen nur eine heisse Nacht erleben, mehr nicht […].
Wenn der Mann alles richtig gemacht hat, charmant und witzig war, wird sie vielleicht [sic!] schon in der ersten Nacht von seinen Fähigkeiten als Liebhaber träumen. Beim zweiten Date muss das aufkeimende Begehren der Frau mit Gesten und Komplimenten massiv angestachelt werden, sie muss aber noch ein wenig zappeln. Beim dritten Treffen ist die Dame dann reif [Aha; erwachsen gleich reif gleich ü40!], hat sich schon Tage vorher überlegt, welche Dessous sie anzieht [selig glaube!] und zählt gierig die Minuten, bis sie ihre Schätze [herrlicher Euphemismus für Atomgemüse zwischen Orangendellen!] endlich zeigen darf. Jedenfalls, wenn Ihr Auftreten bislang Eindruck hinterlassen hat. Aber ansonsten hätten Sie das dritte Date ja auch gar nicht erst erlebt [grossartig formallogisch aufgearbeitet!].»

Dieses elende «Three strikes, and you are out» (respektive: in) -Zeugs geht mir auf den Stock wie die US-Einreiseformalismen. Ist es nicht vielmehr so, dass wir Frauen darauf abgerichtet worden sind, uns nicht zu schnell zu verschenken (womit wir wieder bei den Schätzen wären), auf rares Engelchen zu machen, damit wir nicht in die Kategorie ‹just fuck – never marry› ge…stossen werden?

Dabei, ökonomisch gedacht, zwei Dates mit einem beim dritten Date lausigen Lover endlose, unwiederbringbare Stunden zuviel sind. Besser, man würd’ gleich zur Sache liegen. Eventuell hat man sich ja nachher nichts mehr zu sagen. Und könnt dann wenigstens weiterpoppen. Oder eben aufs nächste Tram warten.
Und, bevor ich’s vergesse: Unsere beste Unterwäsche tragen wir, wennschon, beim ersten Date. Danach müsste Mann gemäss Waschplan-Schnitt 6 Tage Geduld zeigen. Aber Jungs können Hans und Moritz eh nicht von Carine Gilson (Kleinodien!) unterscheiden. Deshalb lieber nackt als im Pelz.

Soviel dazu. Und, Raoul, ein Management Summary zu Deiner Frage zur Verwendung von ‹Stecher› (‹Spritzer› wär übrigens, effizienzorientiertmodern, adäquater):

‹Stecher› sagen ist nicht per se verwendungswürdig oder nicht. It all depends. Vom Timing. Vom Zeitpunkt. Vom Moment. Vom Kontext. Von der Tonalität. Vom Publikum. Gegenüber der ‹Herz Dame› würde ich tendenziell eine wohlklingendere Wendung wählen, ist ‹Stecher› doch der H&M unter den Fickwörtern.

Falls Du aber primär ‹Stecher› sagst, weil du gerade zwei Mal im Jahr einen ‹Lucky Strike› landest, dann würde ich die zwei trotz ausgeprägten Verbalästhetizismus’ gerade sein lassen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff