Peking und der Fall Maduros : Die US-Intervention ist auch ein Schlag für China

Peking zeigt sich erschüttert über die Gefangennahme Maduros. Der wichtigste Handelspartner Venezuelas reagiert scharf.
Nur Stunden vor dem amerikanischen Angriff empfing Nicolás Maduro noch eine chinesische Delegation. Es war das letzte offizielle Treffen des venezolanischen Machthabers vor seiner Festsetzung durch US-Kräfte.
Im Präsidentenpalast von Caracas war Qiu Xiaoxi geladen, Pekings Sondergesandter für Lateinamerika und die Karibik. Neben der US-amerikanischen Bedrohung ging es um hunderte bilaterale Abkommen: China ist der größte Abnehmer venezolanischen Öls. Es hat Dutzende Milliarden Dollar in Infrastruktur investiert, Venezuela Waffen geliefert und sich die Kredite über Rohstofflieferungen begleichen lassen.
So pries Maduro nach seinem Treffen mit den Chinesen „starke Bande der Brüderlichkeit und Freundschaft zwischen China und Venezuela“ und fasste zusammen: „Eine Beziehung, die die Zeit überdauert!“ Keine sieben Stunden später griffen die US-Streitkräfte an.
China ist „zutiefst schockiert“
Auch Peking ist überrascht worden von dem Angriff. Unklar blieb, ob sich Qiu und seine Delegation sogar noch in Venezuela befinden. Chinas Außenministerium gab sich „zutiefst schockiert“ über die „unverhohlene Anwendung von Gewalt durch die USA gegen einen souveränen Staat“. Solche „hegemonialen Handlungen der USA verletzen in schwerwiegender Weise das Völkerrecht“, hieß es. Maduro müsse sofort freigelassen werden. Peking verwendete schärfere Worte als nach dem amerikanisch-israelischen Angriff gegen das andere chinesische Partnerland Iran im Sommer. Weder Iran noch Venezuela aber stand Peking mit Taten bei.
Südamerika ist für China eine wichtige Einflusszone im Ringen mit den USA. Im Dezember veröffentlichte Peking ein Lateinamerika-Strategiepapier, das seine Ambitionen in der US-amerikanischen Nachbarschaft untermauert: „China ist dem globalen Süden, einschließlich Lateinamerika und der Karibik, in guten wie in schlechten Zeiten stets solidarisch zur Seite gestanden“, heißt es da.
Propagiert wird der Ausbau militärisch nutzbarer Infrastruktur. Das Papier wirbt für Zusammenarbeit in der Informationstechnologie, der Luft- und Raumfahrt und ermutigt lateinamerikanische Länder zur Nutzung des chinesischen Beidou-Navigationssatellitensystems. Der „militärische Austausch“ solle ausgeweitet werden.
Passend dazu veröffentlichte das chinesische Staatsfernsehen zu Weihnachten ein selten gezeigtes Planspiel der Volksbefreiungsarmee. Darin simulierten die Chinesen Gefechte im Golf von Mexiko vor Kuba und im Karibischen Meer zwischen „blauen“ und „roten“ Einheiten.
Das alles aber bleibt weiter rhetorischer Natur. Peking unterhält keine ernsthaften militärischen Fähigkeiten in der Region. Dazu bräuchte es eigene Basen, die China anstrebt, aber nicht hat. Offenbar erzielte auch Chinas an Venezuela geliefertes Flugabwehr-Radarsystem YJ-27 gegen die US-Kräfte keine Wirkung.
Strategische Rückschläge für Peking
Aber Pekings globale Ambitionen bleiben klar. In Peru unterhält China den größten Tiefwasserhafen Südamerikas. Auch betreibt es Hafenanlagen am Panamakanal. Der wirtschaftliche Schaden in Venezuela scheint für Peking verkraftbar, das seinerseits weniger als fünf Prozent seiner Ölimporte von dort bezieht und über Drittstaaten und Kleinraffinerien abgewickelt hat.
Zudem sagte Präsident Donald Trump zu, dass man weiter Öl an China verkaufe: „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Xi (Jinping)“, sagte Trump im Sender Fox. „Sie werden Öl bekommen.“ Nur eben offenbar vorerst auf amerikanische Rechnung.
Zwar bleibt China größter Handelspartner der meisten südamerikanischen Länder. Doch musste Peking in der Region jüngst einige strategische Rückschläge hinnehmen. Letztes Jahr zog Panama seine Mitgliedschaft an Chinas Seidenstraßen-Initiative zurück.
Zudem versuchte das Hongkonger Konglomerat Hutchison seine Hafenanteile am Panamakanal zu verkaufen, was Peking derzeit blockiert. Mexiko erhebt neuerdings hohe Zölle auf chinesische Importe. Und Ende Dezember wurde in Honduras ein neuer Präsident gewählt, der diplomatische Beziehungen zu Taiwan herstellen will.
In chinesischen sozialen Medien forderten vielbeachtete Beiträge bereits, den US-Angriff auf Maduro als Blaupause für eine Entführung des Präsidenten von Taiwan zu nutzen, jetzt wo Trump internationales Recht ignoriere. Allerdings betrachtet China Taiwan nicht als Gegenstand internationaler Rechtsnormen, sondern als „innere Angelegenheit“. Zudem ist internationales Recht für Peking nie handlungsleitend gewesen. Vielmehr kann Peking hoffen, dass sich die USA nun in einem weiteren Schauplatz verstricken, fernab von China.





