„Goldene Flotte“ :
Trumps Traum von einem Schiff

Lesezeit:
Schüler der Trump-Klasse: Kriegsminister Hegseth, Marinechef Phelan

Der amerikanische Präsident will wieder Schlachtschiffe bauen. Dass das Konzept seit Jahrzehnten überholt ist, stört ihn nicht.

Kurz vor Weihnachten kündigte Donald Trump an, die Vereinigten Staaten würden wieder Schlachtschiffe bauen. Darüber geredet hat der amerikanische Präsident in der Vergangenheit schon öfter.

Dabei nahm er Bezug auf eine Dokumentarserie aus den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts: „Victory At Sea“ zeigt die Einsätze der amerikanischen Marine im Pazifik im Zweiten Weltkrieg.

Die neuen Schiffe sollen Teil von Trumps „Goldener Flotte“ werden und seinen Namen tragen: die Trump-Klasse. Sie sollten „größer, schneller und hundertmal mächtiger sein“ als alle Schiffe, die die USA jemals gebaut hätten, sagte er.

Sollte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden, wäre das eine signifikante Abkehr von der derzeitigen amerikanischen Seekriegsdoktrin. Die setzt auf viele kleinere, teilweise auch unbemannte Waffenträger, um Redundanzen zu schaffen: Sogar bei einem Ausfall vieler Einheiten gäbe es immer noch genügend.

Konzentration von Feuerkraft auf einer Plattform

Die Konzentration von Feuerkraft auf einer einzelnen Plattform würde diesem Gedanken widersprechen. Ein möglicher Gegner sähe sich nicht mehr mit vielen Zielen konfrontiert, die er bekämpfen müsste. Deshalb wurden Pläne für große seegehende Waffenplattformen in den vergangenen Jahrzehnten verworfen.

Der Präsident behält sich vor, über das Aussehen der Schiffe mitzubestimmen. Er selbst werde sie mit der Marine zusammen entwerfen, sagte er, denn er sei eine „ästhetische Person“. Trump hat früher über Schiffe geschimpft, die er als „hässlich“ ansieht. Damit meint er vor allem solche, die über Stealth-Fähigkeiten verfügen, also für gegnerisches Radar schwer zu finden sind. Die Trump-Klasse aber solle „schön“ werden. Erste Visualisierungen der Trump-Klasse lassen allerdings auch bei dieser auf Stealth-Fähigkeiten schließen.

Keine Marine der Welt hat noch Schlachtschiffe

Auch das Eingreifen in Venezuela zeigt, dass moderne Seestreitkräfte ohne Schlachtschiffe auskommen. Das größte Drohpotential der amerikanischen Marine war der Flugzeugträger USS Ronald Reagan. Mit seinen Kampfflugzeugstaffeln und seiner Verdrängung von rund 100.000 Tonnen würde er die Trump-Klasse mit ihren angedachten 30.000 bis 40.000 Tonnen auch der schieren Größe nach in den Schatten stellen.

Keine Marine der Welt verfügt noch über Schlachtschiffe. Es hat sich gezeigt, dass von Trägern gestartete Flugzeuge billiger, schneller und zielgenauer sind. Schlachtschiffe gelten als zu groß und zu teuer. Dominiert werden die Flotten heute von kleineren Einheiten wie Zerstörern und allenfalls wenigen Flugzeugträgern.

Ihre Hoch-Zeit hatten die Schlachtschiffe zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihr Bau folgte aus der Aufgabe, die der Marine damals zugedacht war: Sie sollte im Kriegsfall den Handel des Gegners über See unterbinden und ihn von Nachschub abschneiden. Um das zu erreichen, brauchte es Schiffe, die einerseits so stark bewaffnet waren, dass sie gegnerische Einheiten versenken konnten, und andererseits so stark gepanzert waren, dass sie selbst nur schwer versenkt werden konnten. Diese Anforderungen gebaren das Schlachtschiff.

Stählerne Ungetüme

Eingesetzt wurden die stählernen Ungetüme nach der Strategie, die der Amerikaner Alfred Thayer Mahan entwickelt hatte. Demnach sollte die Flotte in einem Einsatz sämtlicher Kräfte eine Entscheidungsschlacht mit dem Gegner erzwingen. In der modernen Seekriegsgeschichte gab es das mit Großkampfschiffen ein einziges Mal: Im Mai 1905 konnte die japanische Flotte ihren russischen Konterpart in der Schlacht von Tsushima fast vollständig versenken oder übernehmen.

DSGVO Platzhalter

Externer Inhalt von Opinary

Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen .

Die Schlacht am Skagerrak im Mai 1916, die wohl größte Seeschlacht der modernen Kriegsgeschichte ohne Flugzeugträger, zeigte allerdings, dass dies nicht so einfach war. Die britische Grand Fleet und die deutsche Hochseeflotte waren darauf aus, den jeweils anderen zum Kampf zu stellen und einen – möglicherweise sogar den Ersten Weltkrieg – entscheidenden Sieg zu erringen. Am 1. Juni hatten die Briten zwar mehr Schiffe verloren als die Deutschen und beide Seiten reklamierten den Sieg für sich, doch die Schlacht war eher ein Unentschieden.

Bis in die Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts waren die Schlachtschiffe die Königinnen der Meere. Ihr Niedergang kam dann umso schneller. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Einsatz von Flugzeugträgern zu einer tödlichen Gefahr, da sie aus der Luft verwundbar waren.

Fast alle großen kriegführenden Nationen – Deutschland, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Japan, Italien und die Sowjetunion – verloren Schlachtschiffe durch Luftangriffe. Schlachtschiffe spielten in der Folge immer noch eine Rolle, aber wurden meist als Unterstützungskräfte eingesetzt, quasi als seebasierte Artillerieplattform.

Seegestützte Artillerie

Das galt für die vier Schlachtschiffe der amerikanischen Iowa-Klasse, die den Zweiten Weltkrieg überstanden und im Dienst gehalten wurden. Sie wurden im Koreakrieg noch einmal eingesetzt und danach eingemottet. In den Achtzigerjahren wurden sie reaktiviert und modernisiert, die Wisconsin und die Missouri sogar im ersten Golfkrieg gegen den Irak eingesetzt. Doch Anfang der Neunzigerjahre wurden sie endgültig an die Kette gelegt. Die einzigen Schlachtschiffe, die Amerika heute noch hat, dienen nur noch als Museumsschiffe.

Diesen Zustand will der amerikanische Präsident nun ändern. Trump kündigte an, erst einmal sollten zwei Schiffe der Trump-Klasse gebaut werden, mit dem Ziel, auf bis zu 25 Einheiten zu kommen. Trump will mithin ein seit Jahrzehnten überholtes Konzept – das Schlachtschiff – wiederbeleben. Für die Marine gilt also der Befehl: Volle Kraft zurück in die Vergangenheit.

Empfehlungen
SPD-Spitzenkandidat Stoch
Baden-Württemberg:
SPD setzt auf Frida und Fabia

Die SPD startet ihren Wahlkampf im Südwesten. Spitzenkandidat Andreas Stoch will nicht so „negativ“ klingen wie andere Parteien – und stellt sich seine Wähler mit Namen vor.

Rüdiger Soldt
Im November in Johannesburg: Merz und Modi
Reise nach Indien:
Merz sucht in Modis Heimat Nähe

Auf der Suche nach neuen Freunden und mehr Unabhängigkeit von den alten besucht Merz auf seiner ersten Asienreise Indien. Aber dort sieht man manches anders als in Berlin.

Matthias Wyssuwa
Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Geschäftsführung / Museumsleitung für das Weltkulturerbe Rammelsberg - Museum & Besucherbergwerk (m/w/d)
Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg Goslar GmbH über KULTUREXPERTEN Dr. Scheytt GmbH
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt