Operation in Venezuela :
Als ein Hubschrauber getroffen wurde, stand die ganze Operation infrage

Lesezeit:
Nicolás Maduro in amerikanischem Gewahrsam

Der Erfolg der Operation „Absolute Resolve“ in Venezuela stand für einen Moment auf der Kippe. Donald Trump fühlte sich dadurch an ein Fiasko Jimmy Carters erinnert.

Als Donald Trump in den frühen Morgenstunden des 3. Januar auf die Bildschirme vor sich starrte, kam ihm Jimmy Carter in den Sinn. So zumindest erzählte er es nun der „New York Times“ (NYT). Der amerikanische Präsident verfolgte die Livebilder der von ihm angeordneten Aktion zur Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro in Caracas. Er habe „Angst gehabt, dass die Aktion zu einem Jimmy-Carter-Desaster werden könnte“.

Der Demokrat Carter hatte 1980 eine Militäraktion in Teheran zur Freilassung der amerikanischen Geiseln angeordnet, die spektakulär scheiterte. „Das hat seine gesamte Regierungszeit zerstört“, räsonierte Trump am Mittwoch. Der Republikaner fürchtete, als neuer Carter in die Geschichte einzugehen.

Inzwischen haben amerikanische Medien mehr Details über den Verlauf der Intervention mit dem Namen „Absolute Resolve“ herausgefunden. Gegen ein Uhr am Morgen hing ihr Erfolg, so schildert es die „NYT“ in einer Rekonstruktion, an einem einzigen Hubschrauber. Beim Anflug auf Maduros Aufenthaltsort war er von Abwehrfeuer getroffen worden, und die Piloten bemühten sich, ihn in der Luft zu halten. „Wenn nur ein Teil der Operation schiefgegangen wäre, hätte der Erfolg der gesamten Mission infrage gestanden“, sagte Generalstabschef Dan Caine später.

Hubschrauber 30 Meter über der Wasseroberfläche

Trump verfolgte die monatelang geplante Operation von einem zusammengeschusterten Kommandozentrum in seinem Golfclub Mar-a-Lago aus. „Es war unglaublich, das zu sehen“, sagte er schon am Samstag dem Sender Fox News. „Wenn Sie gesehen hätten, was passiert ist – ich habe es buchstäblich wie eine Fernsehsendung verfolgt. Und wenn Sie die Geschwindigkeit und die Gewalt gesehen hätten . . . Es war einfach unglaublich, was diese Leute geleistet haben“, äußerte er. Erklärungen zu den Liveaufnahmen lieferte der „NYT“ zufolge General Caine, oft unterbrochen von Trumps Fragen.

Nur wenige Stunden vor dem Einsatzbefehl saß Trump demnach auf der Terrasse seines Clubhauses und aß zu Abend. Um 22.46 Uhr erteilte Trump den endgültigen Befehl zu der Operation. „Viel Glück und gute Reise“, gab er den Soldaten demnach mit auf den Weg. Mehr als 150 amerikanische Kampfflugzeuge, Bomber, Aufklärungsflugzeuge, Beobachtungsdrohnen und Hubschrauber hoben von ihren Stützpunkten und in der Karibik befindlichen Schiffen ab. Die Soldaten der Delta Force, einer Spezialeinheit des amerikanischen Heeres, wurden vom 160th Special Operations Aviation Regiment, genannt „Night Stalker“, transportiert. Dies ist mit seinen Hubschraubern vom Typ MH-60 und MH-47 auf solche Aufgaben spezialisiert. Nur rund 30 Meter über der Wasseroberfläche jagten sie durch die Nacht der venezolanischen Küste entgegen.

Ein Pilot mit drei Schusswunden

Auf der Route, die für die Hubschrauber geplant war, und in der venezolanischen Hauptstadt Caracas wurde es zu dieser Zeit dunkel. Die Vereinigten ­Staaten hatten laut „NYT“ für einen großflächigen Stromausfall gesorgt. Einerseits offenbar durch eine Cyberattacke, andererseits durch Luftangriffe auf Versorgungspunkte. Rund um die anfliegenden Hubschrauber sorgten Flugzeuge und Drohnen dafür, dass sie ungehindert zu ihrem Ziel vordringen konnten. Stellungen der venezolanischen Flugabwehr wurden ausgeschaltet. Außerdem gab es Angriffe auf verschiedene Ziele im Land, um den Venezolanern eine klare Lagebeurteilung zu erschweren und das eigentliche Ziel der Operation so lange wie möglich geheim zu halten.

Kurz nach ein Uhr überflogen die Hubschrauber die letzten Höhenzüge vor Caracas, so Generalstabschef Caine. Beim Anflug auf die Basis Fuerte Tiuna, auf der sich Maduro aufhielt, gab es Abwehrfeuer vom Boden. Der erste Hubschrauber, ein mehr als 30 Meter langer MH-47 Chinook, wurde getroffen. Laut „NYT“ wurde der Pilot dreimal im Bein getroffen und kämpfte gemeinsam mit seinem Ko-Piloten um die Kontrolle über den Hubschrauber.

An dieser Stelle habe der Erfolg der gesamten Operation in Zweifel gestanden, hieß es in der „NYT“. Würde der Hubschrauber abstürzen und die Aktion schiefgehen, so wie die versuchte Befreiung der Geiseln in der amerikanischen Botschaft in Teheran 1980? Die von Carter befohlene Operation hatte abgebrochen werden müssen, bevor die Amerikaner Teheran überhaupt erreichten. Acht Soldaten wurden getötet.

Über Guantánamo nach New York

Den Piloten in Caracas gelang es letztlich, den Hubschrauber sicher zu landen. Die Delta-Force-Soldaten sprangen heraus und bewegten sich zum Haus von Maduro. Dort erwartete sie „ein brutales Feuergefecht“, wie es ein CIA-Mitarbeiter in amerikanischen Medien später beschrieb. Die Soldaten sprengten die Tür auf und waren innerhalb von drei Minuten in dem Raum, in dem Maduro sich aufhielt, berichtete die „NYT“. Der hatte mit seiner Frau in einem Nebenzimmer geschlafen, als das Feuergefecht begann. Nun versuchten sie, in einen sicheren Raum zu flüchten. Für diesen Fall hatten die Delta-Force-Soldaten extra einen Schweißbrenner dabei, um die Stahltür zu öffnen. Den hätten sie aber nicht gebraucht, berichtete Trump später. Maduro habe die Tür des Raums nicht schließen können. So schnell seien die amerikanischen Soldaten bei ihm gewesen.

Die Soldaten brachten Maduro und seine Frau in einen Hubschrauber. Um 3.29 Uhr, erzählte Generalstabschef Caine, befanden sie sich wieder über dem Wasser, im Anflug auf die amerikanischen Schiffe. Maduro wurde auf die USS Iwo Jima gebracht, von dort auf die Basis Guantánamo Bay auf Kuba und schließlich nach New York. Mehr als 40 Menschen sollen laut Medienberichten auf venezolanischer Seite bei der Operation getötet worden sein. Bei den Amerikanern gab es nur ein halbes Dutzend verwundeter Soldaten, darunter der Chinook-Pilot.

Trump konnte erleichtert sein. Es habe in der Vergangenheit einige Operationen gegeben, sagte er auf seiner Pressekonferenz in Florida, die „nicht so gut gegangen sind“. Er fügte hinzu: „Sie waren eine Schande.“ Die Operation „Absolute Resolve“ aber sei „perfekt ausgeführt“ worden.

Empfehlungen
Zusammen mit Verteidigungsminister Pete Hegseth, CIA-Direktor John Ratcliffe und Außenminister Marco Rubio (von links) verfolgt Donald Trump von Mar-a-Lago aus den Militäreinsatz in Venezuela.
FAZ+Außenpolitik der USA:
Trump macht Ernst

Der amerikanische Präsident teilt die Welt in Einflusszonen auf. Ist die Intervention in Venezuela der Beginn einer neuen Ordnung?

Majid Sattar, Washington
Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Palliativmediziner (w/m/d)
Stiftung kreuznacher diakonie
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Leitung (w/m/d) des Dezernats Bau, BIM, Vermessung
Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Head of Finance & Controlling (m/w/d) Indien
Dr. Maier + Partner Executive Search GmbH
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt